Klartext Frauenherzen
Geschlechterspezifische Herzmedizin am DHZC

Frauen erkranken anders, sie zeigen andere Symptome, haben andere Risikoprofile und durchlaufen mit Schwangerschaft und Menopause Lebensphasen, die das Herz-Kreislauf-System besonders fordern. Dennoch basieren viele Leitlinien, Studien und diagnostische Schwellenwerte bis heute auf Daten männlicher Patienten.
Die Folgen sind gravierend: Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen später erkannt, seltener richtig eingeordnet und öfter nicht leitliniengerecht behandelt.
Am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) etablieren wir deshalb eine geschlechterspezifische Herzmedizin. Wir verbinden klinische Erfahrung, interdisziplinäre Versorgung und aktuelle Forschung, um Unterschiede zwischen den Geschlechtern konsequent mitzudenken – von der Prävention über die Diagnostik bis zur Therapie.
Denn gute Herzmedizin ist nicht geschlechterneutral. Sie berücksichtigt Unterschiede – für eine individualisierte, personalisierte und ganzheitliche Betreuung.
Klartext Frauenherzen – warum ist das wichtig?
Frauen sind keine weiblichen Männer. Auch in der Herzmedizin sind viele Unterschiede zu beachten: Es gibt geschlechterspezifische Besonderheiten bei Risikofaktoren, Symptomen und Verlauf der Erkrankungen.
Dafür gibt es zentrale Ursachen:
Frauen und Männer unterscheiden sich unter anderem genetisch und hormonell. Diese Unterschiede beeinflussen auch das Herz-Kreislauf-System:
- Frauen haben im Durchschnitt ein kleineres Herz, geringere Schlagvolumina und engere Herzkranzgefäße.
- Das Herz und die Gefäße reagieren anders auf Belastung und Alterung.
- Das weibliche Hormon Östrogen wirkt lange schützend auf das Herz: Es fördert die Gefäßgesundheit, wirkt entzündungshemmend und beeinflusst Stoffwechsel, Blutgerinnung und Blutdruckregulation.
Die Folge: Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten bei Frauen im Durchschnitt zehn Jahre später auf als bei Männern. Frauen haben zum Zeitpunkt der Diagnose oft mehr Begleiterkrankungen, was Diagnose und Therapie erschweren kann.
Lebensbedingungen, gesellschaftliche Rollenbilder und der Zugang zur medizinischen Versorgung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle:
Frauen und Männer berichten unterschiedlich von Symptomen und haben im Alltag zum Teil andere Prioritäten und Verpflichtungen. Frauen nehmen Präventionsangebote anders wahr und werden medizinisch oft später oder weniger gezielt untersucht.
Zwar nutzen Frauen mehr Vorsorgeangebote als Männer, verzichten jedoch oft auf aufwändigere medizinische Behandlungen und Check-ups – unter anderem, weil sie beruflich und privat nicht länger ausfallen wollen.
Die Folge: Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen häufiger übersehen oder zu spät erkannt.
- Autoimmunerkrankungen treten deutlich häufiger bei Frauen auf – damit steigt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Medikamente wirken bei Frauen anders: Sie haben bei der gleichen Dosierung häufig höhere Wirkstoffspiegel im Blut.
Die Folge: Nebenwirkungen treten bei Frauen bis zu 70 Prozent häufiger auf als bei Männern, und Dosierungen müssten oft angepasst werden.
Versorgungsrealität heute
Obwohl das Wissen zu geschlechterspezifischen Unterschieden in der Herzmedizin zunimmt, sind Frauen in Studien weiterhin häufiger unterrepräsentiert.
Die Konsequenz: Viele Therapieempfehlungen basieren überwiegend auf den Daten von Männern, behandelt wird nach einem One-size-fits-all“-Prinzip. Frauenspezifische Besonderheiten werden dabei noch zu wenig beachtet.
Was sich ändern muss
- Mehr Forschung speziell zu Frauengesundheit und geschlechterspezifischer Herzmedizin
- Bessere Berücksichtigung geschlechterspezifischer Unterschiede in Leitlinien und Studien
- Mehr Wissen über Frauenherzmedizin in Ausbildung und Praxis
Unser Ziel: Eine individuellere, gerechtere und bessere Versorgung von Frauen und Männern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Frauen sind keine weiblichen Männer: Sie erkranken anders, zeigen andere Symptome, haben andere Risikoprofile und durchlaufen mit Schwangerschaft und Menopause Lebensphasen, die das Herz-Kreislauf-System besonders fordern.“
Dr. med. Julia Lueg

Was bedeutet geschlechterspezifische Herzmedizin?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten bei Frauen und Männern unterschiedlich auf, sie verlaufen anders und müssen manchmal anders behandelt werden. Ziel der geschlechterspezifischen Herzmedizin ist es, diese Unterschiede gezielt in Diagnostik, Therapie und Prävention einzubeziehen.
Auch Risikofaktoren unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern: Hormonelle Einflüsse – insbesondere vor und nach den Wechseljahren – spielen eine wichtige Rolle. Zudem wirken sich bestimmte Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck bei Frauen oft stärker auf die Herzgesundheit aus.
Ein wichtiger Grund für bestehende Wissenslücken liegt darin, dass Frauen in medizinischen Studien lange Zeit unterrepräsentiert waren. Unter der Food and Drug Administration (FDA) in den USA waren Frauen im Zeitraum zwischen 1977 und 1993 vollständig von der Teilnahme an klinischen Studien in der Phase I ausgeschlossen (Moley 2024).
In Europa wird erst seit 2001 und in Deutschland erst seit 2004 eine angemessene Gewichtung der (biologischen) Geschlechter in der klinischen Forschung eingefordert.
Hormonelle Schwankungen oder die Schwangerschaft als vulnerable und schützenswerte Zeit im Leben einer Frau erschweren den Einschluss in Studien. Frauen übernehmen weiterhin den Hauptteil der familiären „Care-Arbeit”, was die Ressourcen für eine Studienteilnahme auch auf Seiten der Patientinnen reduziert (Quellen: Vervoort et al. 2024; Berro Rivera 2025; Frew et al. 2014).
Die Folge: Viele Erkenntnisse zu Herzkrankheiten, Diagnostik und Therapien basieren primär auf männlichen Daten – und sind nicht immer direkt auf Frauen übertragbar. Doch Frauen sind keine weiblichen Männer.
Die geschlechterspezifische Herzmedizin trägt dazu bei, diese Unterschiede besser zu verstehen und in der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. So sollen Herzkrankheiten besser erkannt und individuell angepasste Behandlungen ermöglicht werden.
Unser Ziel: Eine präzisere, personalisierte Herzmedizin – für eine bessere Versorgung von Frauen und Männern.
„Unser Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden und die Herzgesundheit der Patientinnen langfristig zu schützen.“
PD Dr. med. Kun Zhang

Risikofaktoren und -situationen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bei der Einschätzung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen geschlechterspezifische Unterschiede eine besondere Rolle. Die klassischen Risikofaktoren können bei den Geschlechtern unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. Zusätzlich gibt es bei Frauen Risikofaktoren, die Männer nicht betreffen – beispielsweise, weil sie in der Schwangerschaft auftreten.
Auch die familiäre Veranlagung spielt eine große Rolle. Ein Beispiel: Frauen unter 65 Jahren haben ein etwa vierfach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, wenn ihre Mutter an einer koronaren Herzkrankheit erkrankt ist – deutlich mehr als Männer im gleichen Alter und in dergleichen Situation. (Haider et al. 2020).
Diese Besonderheiten sollten bei der Einschätzung des persönlichen Risikos und in der Vorsorge speziell bei Frauen beachtet werden.
Klassische Risikofaktoren
In jungen Jahren sind Frauen seltener von Bluthochdruck betroffen, doch mit zunehmendem Alter kehrt sich das Verhältnis um. 70 bis 80 Prozent der Frauen über 60 Jahre haben Bluthochdruck, und der Blutdruck steigt bei ihnen oft schneller an.
Nach den Wechseljahren ist Bluthochdruck sogar die häufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle bei Frauen.
Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit ist durch Bluthochdruck bei Frauen und Männern insgesamt ähnlich hoch. Bei jüngeren Frauen (40 – 50 Jahre) kann jedoch besonders ein erhöhter oberer (systolischer) Blutdruck das Herzinfarktrisiko steigern. Außerdem reagiert das Herz von Frauen stärker auf den erhöhten Druck: Der Herzmuskel verdickt sich häufiger, und die Entspannungsfähigkeit des Herzens kann sich verschlechtern.
In der Behandlung gibt es nur wenige Unterschiede in der Wirksamkeit der Medikamente. Allerdings: Frauen bekommen häufiger entwässernde Medikamente (Diuretika), Männer eher andere blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hemmer oder AT1-Blocker.
Wichtig: Frauen haben häufiger Nebenwirkungen, zum Beispiel Reizhusten durch die Einnahme von ACE-Hemmern oder Wassereinlagerungen bei bestimmten Medikamenten. Oft muss bei Frauen mit niedrigeren Dosierungen begonnen werden, damit sie die Therapie gut vertragen und die Medikamente weiter einnehmen können.
Auch in der Schwangerschaft kann Bluthochdruck auftreten – bei etwa 5 bis 10 Prozent aller Schwangerschaften weltweit.
Eine ernstzunehmende Erkrankung in der Schwangerschaft ist die Präeklampsie. Betroffene Patientinnen leiden an Bluthochdruck; oft sind auch noch weitere Organe wie Nieren, Leber oder Gehirn beeinträchtigt. Eine Präeklampsie ist eine der Hauptursachen für Frühgeburten und Komplikationen rund um die Geburt.
Vor den Wechseljahren haben Frauen meist ein günstigeres Cholesterinprofil als Männer:
- das „böse“ LDL-Cholesterin ist niedriger,
- das „gute“ HDL-Cholesterin ist höher.
Nach den Wechseljahren steigt vor allem das LDL-Cholesterin bei Frauen deutlich an. Niedriges HDL und hohe Triglyzeride sind bei Frauen besonders wichtige Risikofaktoren für Herzkrankheiten.
Die gute Nachricht: Cholesterinsenkende Therapien (z. B. durch die Einnahmen von Statinen) wirken bei Frauen genauso gut wie bei Männern, sowohl zur Vorbeugung als auch nach bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie können das Risiko für Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Ereignisse deutlich senken. Für Frauen gelten aktuell die gleichen Zielwerte wie für Männer.
Wichtig zu wissen:
- Frauen haben etwas häufiger Nebenwirkungen, vor allem Muskelschmerzen unter Statinen.
- In solchen Fällen kann ein Wechsel des Medikaments oder eine angepasste Einnahme helfen. Bei Statinen spielt auch der Nocebo-Effekt eine große Rolle: Er bezeichnet negative gesundheitliche Wirkungen, die allein durch die Erwartung negativer Folgen entstehen, ohne dass ein direkter kausaler Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen besteht.
- Andere Medikamente wie Ezetimib oder PCSK9-Hemmer zeigen keine relevanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Trotz des nachgewiesenen Nutzens erhalten Frauen seltener diese Therapien und nehmen sie auch weniger konsequent ein. Die Folge: Frauen sind insgesamt häufiger unterbehandelt.
Diabetes erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen deutlich stärker als bei Männern: Frauen mit Diabetes haben ein etwa 7-fach erhöhtes Risiko, bei Männern ist es etwa 3-fach erhöht.
Auch das Risiko für eine koronare Herzkrankheit ist bei Frauen mit Diabetes nochmals um etwa 44 Prozent höher als bei Männern.
Nach den Wechseljahren tritt bei Frauen häufiger eine Vorstufe von Diabetes auf (gestörte Glukosetoleranz). Diese bleibt oft unbemerkt, erhöht aber bereits das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ein spezieller Test (oraler Glukosetoleranztest) kann solche frühen Veränderungen erkennen, sodass rechtzeitig gegengesteuert werden kann.
Warum Diabetes für Frauen besonders gefährlich ist, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- stärkere Schädigung der Gefäße,
- erhöhte Blutgerinnung,
- häufig zusätzliche Erkrankungen
- und eine insgesamt geringere oder weniger konsequente Behandlung.
Die gute Nachricht: Moderne Diabetesmedikamente wie GLP-1-Agonisten oder SGLT2-Hemmer wirken bei Frauen und Männern ähnlich gut.
Gerade bei Frauen ist es daher besonders wichtig, Diabetes früh zu erkennen und konsequent zu behandeln, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
Übergewicht und Fettleibigkeit sind bei Frauen besonders wichtig, weil sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker erhöhen als bei Männern.
Studien zeigen: Adipositas steigert das Risiko für eine koronare Herzkrankheit bei Frauen um 64 Prozent, bei Männern um 46 Prozent (Garcia et al. 2016).
Nach den Wechseljahren verändert sich zudem die Fettverteilung bei Frauen:
Fett lagert sich häufiger am Bauch statt an Hüfte und Oberschenkeln ab. Dieses sogenannte Bauchfett ist besonders ungünstig, weil es mit erhöhten Blutfetten, Blutzuckerproblemen und dem metabolischen Syndrom zusammenhängt.
Wichtig: Der Bauchumfang ist ein entscheidender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Lebenserwartung.
Orientierungswerte für Frauen:
- Ab 80 cm Taillenumfang: Gewicht stabil halten
- Ab 88 cm Taillenumfang: Gewichtsabnahme empfohlen
Außerdem gilt: Übergewicht ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Bluthochdruck bei Frauen.
Schon kleine Veränderungen beim Gewicht – besonders am Bauch – können das Herzrisiko deshalb deutlich senken.
Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung erhöhen bei Frauen – genauso wie bei Männern – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Umgekehrt gilt: Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung senken das Risiko deutlich. Ein aktiver Lebensstil und gesunde Ernährung sind bei beiden Geschlechtern wichtige Bausteine, um das Herz langfristig zu schützen.
Große Studien zeigen, dass Frauen, die aktiv sind und sich gesund ernähren, seltener Herzkrankheiten entwickeln als Männer.
So geht etwa aus einer Auswertung von Daten aus der UK Biobank (erschienen in Nature Cardiovascular Research) hervor, dass regelmäßige körperliche Aktivität Frauen stärker vor einer koronaren Herzkrankheit schützt als Männer: Teilnehmende, die die Bewegungsempfehlungen einhielten, hatten bei Frauen ein um 22 Prozent geringeres Risiko für eine koronare Herzkrankheit und bei Männern ein um 17 Prozent geringeres Risiko (Chen et al. 2025).
Ein weiteres Ergebnis: Bei gleicher körperlicher Belastung erzielen Frauen oft schneller positive Ergebnisse als Männer. In einer Untersuchung zeigte sich ein Überlebensvorteil bei Männern erst ab etwa 300 Minuten Bewegung pro Woche, bei Frauen bereits ab rund 140 Minuten.
Trotzdem sind Frauen – vor allem im höheren Alter – oft weniger körperlich aktiv als Männer. Sie nehmen auch seltener an Reha-Sport oder strukturierten Bewegungsprogrammen teil. Präventions- und Vorsorgemaßnahmen könnten hier wichtige Hebel zur Verbesserung der Herzgesundheit sein.
Frauen rauchen zwar insgesamt seltener als Männer – doch Rauchen ist für sie besonders gefährlich: Raucherinnen haben ein etwa 25 Prozent höheres Herzinfarktrisiko als rauchende Männer (Huyn et al. 2019). Die Zahl der Raucherinnen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Gerade bei jüngeren Frauen ist Rauchen der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für einen schweren Herzinfarkt (Gleerup et al. 2020).
Die „Nurses Health Study“ zeigt: Das koronare Risiko steigt deutlich mit der Menge der Zigaretten pro Tag:
- Ehemalige Raucherinnen: etwa 1,5-fach erhöhtes Risiko
- 1–14 Zigaretten pro Tag: etwa 3-fach erhöhtes Risiko
- Mehr als 14 Zigaretten pro Tag: etwa 5,5-fach erhöhtes Risiko
Besonders kritisch wird es in Kombination mit einer hormonellen Verhütung wie der Pille: Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt auf das 10-Fache, das Schlaganfallrisiko auf das 3-Fache (Geraghty et al. 2021).
Auch E-Zigaretten sind keine harmlose Alternative und können das Herz-Kreislauf-System schädigen.
Mit dem Rauchen aufzuhören ist daher eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Herz – besonders bei jüngeren Frauen – wirksam zu schützen.
Besondere Risikofaktoren für Frauen
Bestimmte Erkrankungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift, treten bei Frauen deutlich häufiger auf – zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen oder Lupus (Cho et al. 2020).
Diese Erkrankungen gehen oft mit chronischen Entzündungen im ganzen Körper einher, die die Gefäße schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
- Bei Lupus-Patient:innen sind Herzkrankheiten sogar die häufigste Todesursache.
- Bei Rheumatoider Arthritisist das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, um etwa 50 Prozent erhöht.
Auch die Symptome (z. B. Erschöpfung oder Atemnot) können Herzprobleme überdecken und die Diagnose erschweren.
Eine gute Behandlung der Grunderkrankung und die Kontrolle der Herzrisikofaktoren sind daher entscheidend.
Das Bewusstsein, wie sehr seelische Belastungen einen Einfluss auf eine gute Herzfunktion haben, ist zuletzt deutlich gewachsen. Dazu gehören:
- Depressionen und Angststörungen
- traumatische Erlebnisse oder Gewalt
- chronischer Stress, soziale Isolation oder finanzielle Sorgen
Psychosozialer Stress ist inzwischen ein anerkannter Risikofaktor für kardiometabolische Erkrankungen.
Frauen leiden weltweit fast doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, was mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit einhergeht (Cho et al. 2020). Unklar ist, wie hoch die Zahl der nicht diagnostizierten Depressionen bei Männern ist. Aufgrund von soziokultureller Prägung findet weiterhin häufig eine Stigmatisierung statt und es bleibt zu befürchten, dass Depressionen bei Männern daher seltener diagnostiziert und therapiert werden.
Auch die sozioökonomische Benachteiligung und oft schlechtere Bildung sind Risikofaktoren für die weibliche Herzgesundheit: Sie können zu einem geringeren Gesundheitsbewusstsein, einem ungesunden Lebensstil, chronischem Stress und Depressionen beitragen (Busch & Kuhnert 2017).
Mehr Aufklärungsarbeit, ein leichterer Zugang zu medizinischer Versorgung und eine stärkere soziale Integration könnten helfen, die Krankheitsrate bei Frauen zu senken.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen gynäkologischen Krebserkrankungen und dem Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Drei Beispiele:
Brustkrebs lässt sich inzwischen immer besser behandeln; viele der erkrankten Patientinnen leben deutlich länger. Dadurch werden jedoch auch Langzeitfolgen der Behandlung wichtiger. Vor allem nach Bestrahlung der linken Brust kann das Risiko für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit erhöht sein. Zur Bestrahlung werden deshalb heute spezielle schützende Techniken eingesetzt, um die Strahlendosis gering zu halten.
Bestimmte Tumortherapien können zu einer Herzschwäche führen. Dazu gehören etwa die Chemotherapie oder die Einnahme bestimmter Medikamente.
Auch Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck können infolge einer Krebstherapie entstehen, etwa durch die Einnahme bestimmter Medikamente. Umso wichtiger ist es, vor Beginn der Krebstherapie einen vorliegenden Bluthochdruck optimal einzustellen und auch Patient:innen mit normalem Blutdruck eng auf mögliche Veränderungen zu überprüfen.
Schwangerschaft
Komplikationen in der Schwangerschaft können Hinweis auf ein später erhöhtes kardiovaskuläres Risiko sein:
- Wiederholte Fehl- oder Totgeburten erhöhen das Risiko um 20 – 30 Prozent
- Auch Frühgeburt, ein niedriges Geburtsgewicht und mehrere Geburten im Leben einer Frau (Multiparität) sind Risikofaktoren für spätere Herzerkrankungen
- Schwangerschaftsbluthochdruck oder Präeklampsie erhöhen das Risiko für spätere Herzkrankheiten deutlich. Die Präeklampsie ist eine ernste, nach der 20. Schwangerschaftswoche auftretende Komplikation, gekennzeichnet durch Bluthochdruck und Eiweiß im Urin. Sie kann zu Organschäden führen und erfordert oft eine vorzeitige Entbindung. Symptome umfassen starke Kopfschmerzen, Sehstörungen und Ödeme, etwa in Händen, Gesicht oder den Füßen.
- Etwa jede zweite Frau mit Schwangerschaftsdiabetes entwickelt später einen Typ-2-Diabetes.
Nach solchen Schwangerschaften sind regelmäßige Nachkontrollen und Nachsorgeuntersuchungen daher besonders wichtig.
Stillen über mehrere Monate kann sich dagegen schützend auf das Herz auswirken (Geraghty et al. 2021).
Menstruationszyklus und PMS
Hormonelle Schwankungen während des Zyklus wirken auf Herz und Gefäße. Frauen mit prämenstruellem Syndrom (PMS) spüren manchmal verstärkt Herzrasen, Blutdruckschwankungen oder Müdigkeit.
Langfristig können wiederkehrende hormonelle Belastungen das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, besonders in Kombination mit anderen Risikofaktoren.
Herzrhythmusstörungen treten bei Frauen zyklusabhängig häufiger oder seltener auf.
Hormonelle Erkrankungen (z. B. PCOS)
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Neben Zyklusstörungen oder einem unerfüllten Kinderwunsch beeinflusst PCOS häufig auch den Stoffwechsel. Viele Betroffene entwickeln erhöhte Blutzuckerwerte, Bluthochdruck, Übergewicht oder ungünstige Cholesterin- und Blutfettwerte.
Diese Veränderungen belasten langfristig Herz und Gefäße. Studien zeigen deshalb, dass Frauen mit PCOS ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben – das Risiko liegt etwa 40 Prozent höher als bei Frauen ohne PCOS. Umso wichtiger sind eine frühe Diagnose, regelmäßige Vorsorge und ein bewusster Umgang mit möglichen Risikofaktoren.
Perimenopause, Menopause und frühe Menopause
Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dadurch steigen die Cholesterinwerte, der Blutzuckerstoffwechsel, die Fettverteilung (mehr Bauchfett) und der Blutdruck.
Die Folge: Das Herz-Kreislauf-Risiko steigt deutlich an.
Eine frühe Menopause (vor 45 Jahren) oder ein sehr früher Hormonverlust (vor 40 Jahren) erhöhen das Risiko zusätzlich – jedes Jahr der frühen Menopause steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 3 Prozent (Maas et al. 2021).
„Geschlechterspezifische Herzmedizin ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präzisionsmedizin. Unser Ziel ist eine Versorgung, die individuell, wissenschaftlich fundiert und interdisziplinär gedacht ist – für jede Patientin und jeden Patienten.“
Prof. Dr. Ingo Hilgendorf

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: geschlechterspezifische Unterschiede
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen – doch sie betreffen Frauen und Männer nicht auf die gleiche Weise. Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich sowohl in den Risikofaktoren als auch in den Symptomen, der Diagnostik und der Behandlung. Während klassische Forschung lange vor allem auf männliche Patienten ausgerichtet war, rückt heute zunehmend in den Fokus, dass Frauen oft andere Krankheitsverläufe und Warnzeichen aufweisen. Ein besseres Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um Prävention, Früherkennung und Therapie gezielt zu verbessern und die Gesundheitsversorgung für alle zu optimieren. Wir stellen einige der wichtigsten Unterschiede im Folgenden vor.
Koronare Herzkrankheit (KHK)
Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien), die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, verkalkt. Entstehen durch diese Verkalkungen Engstellen oder Verschlüsse, wird der Blutfluss zum Herzmuskel entsprechend behindert. Deutlich verengte Gefäße können bei körperlicher Anstrengung das Gefühl der Brustenge (Angina Pectoris) auslösen. Wenn sich ein Koronargefäß plötzlich vollständig verschließt, ist ein Herzinfarkt die Folge.
Frauen erkranken im Durchschnitt etwa 10 Jahre späterals Männer – vermutlich unter anderem wegen des hormonellen Schutzes in jüngeren Jahren. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko jedoch deutlich an.
Warum KHK bei Frauen oft später erkannt wird
Frauen haben häufig andere Veränderungen an den Herzkranzgefäßen als Männer: Die Gefäße sind nicht immer stark verengt, sondern eher diffus betroffen. Oft sind die kleinen Gefäße (Mikrozirkulation) gestört. Das bedeutet: Auch wenn die großen Gefäße „unauffällig“ erscheinen, kann trotzdem eine Durchblutungsstörung des Herzens vorliegen.
Herzinfarkt bei Frauen
Frauen haben insgesamt ein schlechteres Behandlungsergebnis, vor allem weil:
- sie oft später Hilfe suchen
- Symptome anders auftreten
- Diagnostik und Therapie verzögert erfolgen
Besonders wichtig:
- Jüngere Frauen unter 60 haben bei einem schweren Herzinfarkt ein höheres Sterberisiko im Krankenhaus als Männer.
- Es gibt spezielle Formen wie den Herzinfarkt ohne verengte Gefäße (Myokardinfarkt mit nichtobstruktiven Koronararterien MINOCA), die bei Frauen häufiger vorkommen als bei Männern.
Die klassischen Beschwerden wie Angina Pectoris treten in 80 Prozent der Herzinfarkte bei Frauen und Männern auf.
Zusätzlich berichten Frauen aber öfter über Luftnot, Übelkeit oder Bauchschmerzen, Rücken- oder Kieferschmerzen sowie Schwindel, Schwäche oder Angst. Diese Beschwerden werden oft unterschätzt. Dadurch kommt es zu Verzögerungen – mit Folgen für die Behandlung.
Diagnose – bei Frauen schwieriger
Viele Standarduntersuchungen sind bei Frauen weniger aussagekräftig. Deshalb gilt: Unauffällige Befunde bezüglich der Herzkranzgefäße schließen eine Herzkrankheit nicht sicher aus.
Weitere, aufwändigere Verfahren sind notwendig, um beispielsweise Gefäßspasmen oder eine mikrovaskuläre Dysfunktion erkennen zu können. Besonders wichtig ist die Abklärung der kleinen Gefäße, die bei Frauen häufig betroffen sind.
Behandlung
Grundsätzlich gilt: Frauen profitieren genauso von Therapien wie Männer (z. B. Stents, Medikamente). Jedoch erhalten Frauen diese Behandlungen immer noch seltener als Männer und haben häufiger Nebenwirkungen wie Blutungen. Auch nach Eingriffen haben Frauen häufiger anhaltende Beschwerden, weil oft zusätzlich die kleinen Gefäße betroffen sind.
Besonders wichtig für Frauen:
- Beschwerden ernst nehmen – auch seltenere Symptome
- frühzeitig ärztlich abklären lassen
- Risikofaktoren konsequent behandeln
„Die koronare Herzkrankheit zeigt sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Frauen sterben häufiger an einem Herzinfarkt als Männer. Eine geschlechterspezifische Behandlung ist entscheidend, um Risiken frühzeitig zu erkennen und die Erkrankung gezielt zu behandeln.”
Dr. med. Julia Lueg

Die Herzinsuffizienz („Herzschwäche“) ist eine häufige Erkrankung und betrifft Frauen wie Männer. Dabei schafft es das Herz nicht mehr, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen.
Herzinsuffizienz bei Frauen und Männern
Herzinsuffizienz gehört in Deutschland zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist einer der wichtigsten Gründe für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
- Frauen erkranken häufig erst in höherem Alter an Herzinsuffizienz. Männer sind im Durchschnitt früher betroffen.
- Durch den Rückgang des Hormons Östrogen steigt das Risiko für Frauen, an einer Herzschwäche zu erkranken, nach den Wechseljahren deutlich an. Auch Schwangerschaftsbluthochdruck oder -diabetes erhöhen das Risiko spürbar.
- Frauen entwickeln häufiger eine Form der Herzschwäche, bei der die Pumpleistung scheinbar normal ist, das Herz sich aber nicht richtig entspannt (Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion HFpEF). Männer hingegen erkranken häufiger an einer Herzinsuffizienz mit verminderter Pumpkraft (HFrEF).
- Neben HFpEF treten Herzschwächetypen wie das „Broken-Heart-Syndrom“ und die peripartale Kardiomyopathie häufiger bzw. ausschließlich bei Frauen auf. Außerdem entwickeln Frauen während oder nach einer Krebsbehandlung häufiger eine Herzschwäche als Männer.
- Bei Frauen wird eine Herzschwäche seltener erkannt als bei Männern.
- Da Frauen in Studien und Leitlinien unterrepräsentiert sind, wird ihre Herzschwäche zum Teil nicht so gezielt behandelt wie bei männlichen Patienten.
- Frauen werden wegen einer Herzinsuffizienz später und seltener ins Krankenhaus eingewiesen als Männer, die an Herzschwäche erkrankt sind.
- Männer sterben häufiger bereits in jüngeren und mittleren Jahren an den Folgen einer Herzschwäche. Frauen versterben häufiger im hohen Alter.
- Bei einer schweren Herzinsuffizienz werden Frau seltener als spezialisierte Kliniken überwiesen und außerdem seltener sowie später für eine Herztransplantation gelistet als Männer.
- Herztransplantierte mit Kinderwunsch benötigen vor, nach und während der Geburt eine enge, interdisziplinäre medizinische Betreuung.
Ausführliche Informationen zu geschlechterspezifischen Unterschieden bei Herzinsuffizienz mit Quellenangaben gibt es im Herzatlas:
„Herzinsuffizienz tritt bei beiden Geschlechtern häufig auf, wird aber bei Frauen oft später erkannt und weniger gezielt behandelt. Wichtig ist deshalb, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, Beschwerden ernst zu nehmen und regelmäßige Kontrollen wahrzunehmen.”
PD Dr. Isabell Just-Lauer

Herzrhythmusstörungen entstehen, wenn die elektrische Steuerung des Herzens aus dem Gleichgewicht gerät. Das Herz schlägt dann zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig. Geschlechtsspezifische Unterschiede spielen dabei eine wichtige Rolle: Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur bei Symptomen und Erkrankungshäufigkeit, sondern auch in der Wirkung von Medikamenten und dem Erfolg bestimmter Therapien.
Schon die elektrische Aktivität des gesunden Herzens unterscheidet sich zwischen Frauen und Männern. Hormone wie Östrogen, Progesteron und Testosteron beeinflussen die elektrischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen und damit den Herzrhythmus. So ist der Herzschlag bei Frauen meist etwas schneller, gleichzeitig ist die sogenannte elektrische Erholungsphase des Herzens – das QT-Intervall im EKG – natürlicherweise länger als bei Männern. Diese Unterschiede entstehen vor allem ab der Pubertät und verändern sich auch im Verlauf des Menstruationszyklus, während einer Schwangerschaft sowie in den Wechseljahren.
Dadurch reagieren Frauen empfindlicher auf bestimmte Herzrhythmusstörungen und auf Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussen. Besonders relevant ist das sogenannte Long-QT-Syndrom. Dabei ist die elektrische Erholung des Herzens verlängert, wodurch gefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden können.
Frauen haben ein erhöhtes Risiko für sogenannte Torsade-de-Pointes-Tachykardien – potenziell lebensbedrohliche Rhythmusstörungen, die unter anderem durch bestimmte Antibiotika, Psychopharmaka oder Herzmedikamente begünstigt werden können. Deshalb müssen Medikamente und Dosierungen bei Frauen besonders sorgfältig geprüft werden (Vogel et al. 2021).
Auch hormonelle Veränderungen können das Risiko für Herzrhythmusstörungen beeinflussen. Während Schwangerschaft, Wochenbett oder Menopause verändert sich die elektrische Stabilität des Herzens. Besonders in den ersten Monaten nach einer Geburt kann das Risiko für bestimmte Rhythmusstörungen vorübergehend erhöht sein. Gleichzeitig sind angeborene Formen des Long-QT-Syndroms bei Frauen häufiger und verlaufen teilweise anders als bei Männern.
Zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen gehört das Vorhofflimmern. Frauen erkranken daran meist in höherem Alter und haben häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche. Viele Patientinnen berichten über Herzstolpern, Luftnot, Schwindel, innere Unruhe oder starke Erschöpfung. Die Beschwerden beeinträchtigen Frauen oft stärker als Männer. Gleichzeitig ist ihr Risiko für Schlaganfälle erhöht. Deshalb empfehlen die aktuellen Leitlinien bei Frauen mit Vorhofflimmern häufig frühzeitig eine Blutverdünnung, um Schlaganfällen vorzubeugen (Hindricks et al. 2021).
Trotz stärkerer Beschwerden erhalten Frauen seltener passende Therapien wie Katheterablationen oder elektrische Kardioversionen(Etaee et al. 2021). Gleichzeitig treten unter medikamentösen Therapien häufiger Nebenwirkungen auf. Studien zeigen außerdem, dass Frauen nach einer Ablation häufiger erneut Vorhofflimmern entwickeln. Gründe dafür sind unter anderem strukturelle Veränderungen des Herzgewebes und unterschiedliche elektrische Auslöser der Rhythmusstörung.
Auch andere supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen treten bei Frauen häufiger auf. Dazu gehört insbesondere die AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT), eine Form von plötzlich einsetzendem Herzrasen. Hormonelle Schwankungen können dabei Einfluss auf die Häufigkeit der Beschwerden haben. Frauen berichten insgesamt häufiger über eine Einschränkung ihrer Lebensqualität durch Herzrhythmusstörungen.
Schwere ventrikuläre Herzrhythmusstörungen und plötzlicher Herztod treten dagegen insgesamt seltener bei Frauen auf als bei Männern. Wenn sie auftreten, sind Frauen meist älter und haben häufiger ein strukturell gesundes Herz. Dennoch müssen individuelle Risiken sorgfältig abgeklärt werden – insbesondere bei erblichen Rhythmuserkrankungen oder familiärer Vorbelastung.
Herzklappenerkrankungen betreffen Frauen und Männer unterschiedlich. Unterschiede zeigen sich nicht nur bei der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen, sondern auch bei Symptomen, Krankheitsverlauf, Diagnostik und Behandlungsergebnissen.
Viele heutige Grenzwerte und Operationskriterien wurden ursprünglich vor allem anhand männlicher Patientengruppen entwickelt. Dadurch werden Herzklappenerkrankungen bei Frauen häufig später erkannt oder erst in fortgeschrittenem Stadium behandelt.
Frauen haben zudem oft andere anatomische Voraussetzungen als Männer. Herzklappen und Blutgefäße sind meist kleiner dimensioniert, wodurch Eingriffe technisch anspruchsvoller sein können und das Risiko für Komplikationen steigt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften wie die „American Society of Echocardiography“ inzwischen, Herzgröße und Herzfunktion geschlechtsspezifisch zu beurteilen und stärker an die Körperoberfläche anzupassen (Youssef 2021).
Die häufigste Herzklappenerkrankung im höheren Lebensalter ist die Aortenklappenstenose – eine Verengung der Aortenklappe. Frauen erkranken meist in höherem Alter als Männer und zeigen häufiger degenerative Veränderungen der Klappe. Obwohl die Verkalkung der Klappe oft geringer ausgeprägt ist, reagiert das Herz bei Frauen anders auf die chronische Belastung: Die Herzwand verdickt sich stärker und die Herzkammer bleibt kleiner. Nach einer erfolgreichen Behandlung bildet sich diese Veränderung bei Frauen häufig schneller zurück.
Beim klassischen chirurgischen Aortenklappenersatz haben Frauen insgesamt ein höheres Risiko für Komplikationen. Ein Grund dafür ist unter anderem die kleinere Anatomie der Herzklappe, wodurch eingesetzte Klappenprothesen manchmal nicht optimal zur Körpergröße passen. Anders ist die Situation bei der kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI). Hier zeigen Frauen trotz etwas häufiger auftretender Eingriffskomplikationen insgesamt bessere Langzeitergebnisse als Männer. Studien weisen darauf hin, dass Frauen besonders von diesem schonenderen Verfahren profitieren können.
Auch Erkrankungen der Mitralklappe unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern. Frauen haben häufiger bestimmte Formen des Mitralklappenprolaps – einer Veränderung der Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Rheumatische Mitralklappenerkrankungen treten ebenfalls häufiger bei Frauen auf. Gleichzeitig leiden Patientinnen oft unter stärkeren Beschwerden, werden aber seltener und später operiert als Männer. Dadurch erfolgt die Behandlung häufig erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien.
Moderne kathetergestützte Verfahren zur Behandlung der Mitralklappe, etwa sogenannte „Edge-to-edge“-Reparaturen, zeigen bei Frauen vergleichbar gute Ergebnisse wie bei Männern. Dennoch bleibt das Risiko für erneute Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzschwäche bei vielen Patientinnen erhöht.
Auch Erkrankungen der Trikuspidalklappe betreffen überwiegend Frauen. Dabei handelt es sich häufig um eine Folge anderer Herz- oder Lungenerkrankungen, die den rechten Herzmuskel belasten. Kathetergestützte Therapien gewinnen hier zunehmend an Bedeutung, geschlechtsspezifische Unterschiede werden derzeit intensiv untersucht.
Angeborene Herzfehlerzeigen ebenfalls Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Einige Fehlbildungen kommen bei Männern häufiger vor, andere Erkrankungen verlaufen bei Frauen anders oder gehen mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie pulmonale Hypertonie einher. Dank moderner Diagnostik und spezialisierter Betreuung erreichen heute viele Patient:innen mit angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter und benötigen eine langfristige interdisziplinäre Versorgung.
Die pulmonale Hypertonie ist eine Erkrankung, bei der der Blutdruck in den Lungengefäßen dauerhaft erhöht ist. Dadurch wird vor allem die rechte Herzhälfte stark belastet. Die Erkrankung kann zu Luftnot, eingeschränkter Belastbarkeit, Erschöpfung, Schwindel oder Herzschwäche führen.
Frauen sind deutlich häufiger von pulmonaler Hypertonie betroffen als Männer. Je nach Form der Erkrankung liegt der Frauenanteil in großen internationalen Registern zwischen 65 und 80 Prozent (Oakland und Joseph 2021).
Gründe dafür sind unter anderem hormonelle und genetische Unterschiede. Besonders das weibliche Sexualhormon Östrogen und seine Stoffwechselprodukte scheinen bei der Entstehung der Erkrankung eine wichtige Rolle zu spielen. Auch bestimmte genetische Veränderungen, die das Risiko für eine pulmonale Hypertonie erhöhen, treten bei Frauen häufiger mit klinischen Folgen in Erscheinung.
Trotz des höheren Erkrankungsrisikos haben Frauen mit pulmonaler Hypertonie oft eine bessere Prognose als Männer. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Östrogenparadox“. Studien zeigen, dass Frauen häufig eine bessere Funktion der rechten Herzkammer aufweisen – also jener Herzhälfte, die gegen den erhöhten Druck in der Lunge arbeiten muss. Dadurch verläuft die Erkrankung bei vielen Patientinnen langsamer und die Überlebensrate ist insgesamt höher (Oakland und Joseph 2021).
Frauen mit pulmonaler Hypertonie haben häufig günstigere hämodynamische Voraussetzungen: Die rechte Herzkammer kann trotz erhöhter Druckbelastung oft länger ausreichend pumpen. Dies gilt als wichtiger Grund für den häufig besseren Krankheitsverlauf.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der medikamentösen Therapie konnten bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dennoch ist eine individuelle Betreuung besonders wichtig, da Symptome, Belastbarkeit und Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein können.
Eine besondere Bedeutung hat die Erkrankung bei Schwangerschaften. Für Frauen mit pulmonaler Hypertonie besteht während Schwangerschaft und Geburt ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen. Die zusätzliche Belastung für Herz und Lunge kann lebensbedrohlich werden. Deshalb empfehlen internationale Leitlinien, eine Schwangerschaft bei pulmonaler Hypertonie möglichst zu vermeiden beziehungsweise die Risiken frühzeitig interdisziplinär abzuklären (Regitz-Zagrosek et al. 2018).
Eine Lungenembolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß in der Lunge verschließt. Meist stammt dieses Gerinnsel aus den Bein- oder Beckenvenen und wird über den Blutkreislauf in die Lunge transportiert. Die Erkrankung kann plötzlich auftreten und zu Luftnot, Brustschmerzen, Herzrasen, Schwindel oder Kreislaufproblemen führen. Frauen und Männer sind insgesamt ähnlich häufig betroffen – allerdings gibt es deutliche Unterschiede je nach Lebensalter und hormoneller Situation.
Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erleiden Frauen deutlich häufiger eine Lungenembolie als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem hormonelle Einflüsse. Besonders östrogenhaltige Verhütungsmittel sowie hormonelle Therapien in den Wechseljahren erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel. Auch Schwangerschaft und Wochenbett gelten als wichtige Risikophasen. Im höheren Lebensalter steigt die Häufigkeit von Lungenembolien dagegen bei Männern stärker an.
Frauen zeigen bei einer Lungenembolie oft eine ausgeprägtere Symptomatik – sowohl im akuten Verlauf als auch langfristig. Viele Patientinnen berichten über starke Luftnot, Erschöpfung oder eine länger anhaltende Einschränkung der Belastbarkeit. Gleichzeitig können die Beschwerden unspezifisch sein und zunächst anderen Ursachen zugeschrieben werden.
Für die Diagnostik werden standardisierte Risikobewertungen und Blutuntersuchungen eingesetzt. Dabei spielt der sogenannte D-Dimer-Wert eine wichtige Rolle. Dieser Blutwert ist bei Frauen häufig natürlicherweise höher als bei Männern – insbesondere unter hormoneller Therapie. Deshalb wird diskutiert, ob geschlechtsspezifische Grenzwerte die Diagnostik künftig verbessern könnten. Bildgebende Verfahren wie die CT-Pulmonalisangiografie gelten bei Frauen als besonders zuverlässig (Jarman et al. 2021).
In der Behandlung der Lungenembolie kommen blutverdünnende Medikamente zum Einsatz, um weitere Gerinnsel zu verhindern. Moderne orale Antikoagulanzien (NOAK) wirken bei Frauen ähnlich gut wie bei Männern. Gleichzeitig haben Frauen unter Antikoagulation oder Lysetherapie häufiger klinisch relevante Blutungen. Bei jüngeren Patientinnen können insbesondere starke Monatsblutungen unter blutverdünnender Therapie eine zusätzliche Belastung darstellen. Deshalb ist eine individuell abgestimmte Behandlung besonders wichtig.
Klartext konkret | Fokus Frauenherzen
Thema Reanimation
Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer.
Die Gründe liegen nicht in der Erkrankung selbst – sondern in Unsicherheit, Vorurteilen und falschen Annahmen.
Dabei ist die wichtigste Regel einfach:
Nicht warten. Drücken.

Thema Medikamentendosierung
Gleiche Dosis – andere Wirkung: Viele Medikamente wurden vor allem an Männern untersucht. Deshalb gelten die Standarddosierungen oft für alle – obwohl sich Frauen und Männer biologisch unterscheiden. Das kann dazu führen, dass Frauen auf die gleiche Dosis anders reagieren.

Thema Herzinfarkt
Herzinfarkt-Symptome bei Frauen werden bis heute oft als „atypisch“ bezeichnet. Das Problem: „Atypisch“ klingt nach unklar, weniger eindeutig – vielleicht sogar weniger dringend.
Klar ist: Ein Herzinfarkt muss nicht dem klassischen Bild entsprechen, um ein medizinischer Notfall zu sein.

Unsere Expertise am DHZC | Diagnostik, Beratung & Therapie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen und Männern, dennoch gibt es viele geschlechterspezifische Besonderheiten. Diese Unterschiede müssen in der Risikostratifizierung, Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden. Schwangerschaft und Menopause stellen dabei zwei einzigartige Lebensphasen bei Frauen dar, in denen kardiovaskuläre Erkrankungen erstmals auftreten oder sich wesentlich verändern können.
Unsere spezialisierte Frauenherzsprechstunde bietet Frauen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko sowie bekannten Herzerkrankungen eine individualisierte kardiologische Betreuung mit besonderem Fokus auf Schwangerschaft und (Peri-) Menopause.
Unsere Schwerpunkte:
- Kardiovaskuläres Risikomanagement bei Frauen
- Kardiologische Begleitung vor, während und nach der Schwangerschaft bei Patientinnen mit kardialen Vorerkrankungen
- Bluthochdruck, Präeklampsie, Kardiomyopathien und Herzinsuffizienz in der Schwangerschaft
- Herzrhythmusstörungen in der Schwangerschaft
- Einstellung kardiovaskulärer Risikofaktoren in der (Peri-) Menopause
- Interdisziplinäre Betreuung in enger Zusammenarbeit mit Nephrologie, Geburtshilfe und Gynäkologie
In einem monatlich stattfindenden Pregnancy Heart Team werden kardiovaskuläre Risikopatientinnen in der Schwangerschaft interdisziplinär mit Kolleg:innen aus der Kardiologie, Geburtshilfe und Anästhesie campusübergreifend besprochen und die Behandlung vor, während und nach der Geburt festgelegt.
Frauen mit angeborenen Herzfehlern werden in unserem zertifizierten EMAH-Zentrum betreut – auch während einer Schwangerschaft.
Zeiten der Sprechstunde: Dienstag 8:00 − 14:00 Uhr
Ansprechpartnerin: Dr. med. Julia Lueg

In unserer Sprechstunde für Herzgesundheit in der Frauenheilkunde betreuen wir Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen haben oder ihre Herzgesundheit gezielt stärken möchten. Des Weiteren betreuen wir schwangere Frauen, bei denen Herz- oder Kreislauferkrankungen bestehen oder ein erhöhtes Risiko dafür vorliegt.
Unser Ziel ist es, die Schwangerschaft bestmöglich zu begleiten, Komplikationen zu vermeiden und Ihre Herzgesundheit langfristig zu schützen.
KIM-Adresse für Zuweiser:innen: hochrisiko-cvk@dhzc-charite.kim.telematik
Leiterin der Sprechstunde: PD Dr. med. Kun Zhang

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Sprechstunde für Kardiogenetik an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am CCM befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung vererbter Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelerkrankungen. Darüber hinaus betreut sie Patient:innen nach ungeklärtem überlebtem plötzlichem Herztod sowie deren Angehörige.
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Sprechstunde für Frauen mit Herzerkrankungen am CCM sowie mit der Klinik für Geburtsmedizin der Charité. Ziel dieser interdisziplinären Behandlung ist eine ganzheitliche und personalisierte Versorgung der Patient:innen.
Unser Angebot
Bei Schwangeren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem entsprechenden Verdacht ist eine präzise Risikoabschätzung (Risikostratifizierung) besonders wichtig, um sowohl die werdende Mutter als auch das ungeborene Kind bestmöglich zu versorgen. Neben der kardiologischen und geburtsmedizinischen Betreuung spielt dabei auch die Kardiogenetik eine wichtige Rolle: Sie unterstützt die Abklärung der Erkrankung und bezieht die gesamte Familie in die Diagnostik und Beratung ein.
Wir bieten Schwangeren mit bestehender oder vermuteter kardiovaskulärer Erkrankung deshalb eine Abklärung der Frage an, ob eine vererbte Herzerkrankung vorliegt. In dem Zusammenhang wird auch besprochen, welche genetischen Ursachen zugrunde liegen und wie hoch das Risiko einer Weitervererbung einzuschätzen ist. Daraus lässt sich ableiten, ob auch eine genetische Untersuchung weiterer Familienmitglieder – insbesondere des Kindes – sinnvoll ist.
„In der Schwangerschaft können genetisch bedingte Herzerkrankungen erstmals sichtbar werden. Gleichzeitig handelt es sich um eine besonders sensible Lebensphase mit einem erhöhten Risiko der Weitervererbung an das ungeborene Kind. Wir betrachten genetische Erkrankungen immer im Kontext der gesamten Familie und schließen damit eine wichtige Versorgungslücke“, sagt Prof. Wilhelm Haverkamp, Leiter der Sprechstunde.
Das Zusammenspiel von Kardiogenetik und klinischer Versorgung schafft die Grundlage für eine moderne Präzisionsmedizin und ermöglicht eine individualisierte Vorsorge und Therapie. Dies ist insbesondere bei vererbten Erkrankungen sowie in sensiblen Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Menopause von großer Bedeutung.
Leitung der Sprechstunde: Prof. Dr. Wilhelm Haverkamp
Weitere Informationen und Terminvereinbarung
„In der Schwangerschaft können genetisch bedingte Herzerkrankungen erstmals sichtbar werden. Gleichzeitig handelt es sich um eine besonders sensible Lebensphase mit einem erhöhten Risiko der Weitervererbung an das ungeborene Kind. Wir betrachten genetische Erkrankungen immer im Kontext der gesamten Familie und schließen damit eine wichtige Versorgungslücke.“
Prof. Wilhelm Haverkamp

Das Pregnancy Heart Team betreut Patientinnen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen sowie mit schwangerschaftsassoziierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen während der Schwangerschaft und ermöglicht eine vorausschauende und interdisziplinäre Geburtsplanung unter steter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse.
In einem interdisziplinären Team aus Spezialist:innen der Kardiologie, Kinderkardiologie und Anästhesie des DHZC sowie der Geburtsmedizin der Charité gewährleisten wir eine engmaschige und individuell abgestimmte Betreuung.
In monatlichen Fallkonferenzen kommen Expert:innen aus den genannten Fachrichtungen zusammen, um die Behandlung und Anbindung von kardiovaskulären Risikopatientinnen in der Schwangerschaft vor, während und nach der Geburt festzulegen.
Diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit bildet die Grundlage für eine optimale, individuell zugeschnittene und langfristige Versorgung unserer Patientinnen.
Leitung: Dr. med. Teresa Mira Gruber, Oberärztin an der Klinik für Geburtsmedizin der Charité
Entstehung, Symptome und Auswirkungen der Erkrankung
Die Präeklampsie betrifft etwa zwei bis acht Prozent aller Schwangeren und zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Frühgeburten sowie schwerwiegende Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt.
Klinisch ist die Erkrankung vor allem durch Bluthochdruck gekennzeichnet, häufig in Kombination mit weiteren Organschädigungen. Besonders oft ist die Niere betroffen, sodass eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin nachweisbar sein kann.
Typische Beschwerden der Betroffenen sind Kopfschmerzen, Sehstörungen, zunehmende Wassereinlagerungen, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch. Auch das ungeborene Kind kann betroffen sein: Durch eine eingeschränkte Versorgung über die Plazenta kann es zu Wachstumsstörungen kommen, die in schweren Fällen eine Frühgeburt erforderlich machen.
Die Ursachen der Präeklampsie sind bis heute nicht vollständig geklärt. Als zentral gilt eine gestörte Entwicklung der Plazenta in der frühen Schwangerschaft. In der Folge entstehen krankhafte Veränderungen der Blutgefäße sowie entzündliche Reaktionen im gesamten Organismus. Eine besondere Rolle spielen dabei gefäßschädigende Botenstoffe, die in der Plazenta gebildet werden und heute als Biomarker im Blut messbar sind.
Unbehandelt kann eine Präeklampsie schwerwiegende gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind haben. Darüber hinaus besteht bei betroffenen Frauen auch langfristig ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft sowie eine konsequente Nachsorge nach der Geburt sind daher von großer Bedeutung.
Interdisziplinäre Behandlung an der Charité
Eine Präeklampsie kann sowohl bei Frauen mit als auch ohne Vorerkrankungen auftreten. Besonders häufig betroffen sind jedoch Schwangere mit internistischen Grunderkrankungen. Gleichzeitig haben Frauen nach einer Präeklampsie ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf- oder Nierenschäden.
Die Prävention, Behandlung und langfristige Betreuung dieser Patientinnen erfordert deshalb eine enge Zusammenarbeit hochspezialisierter Fachbereiche. Die AG Präeklampsie der Klinik für Geburtsmedizin an der Charité bildet hierfür einen zentralen Knotenpunkt zwischen Schwangerschaftsbetreuung, Akutversorgung und langfristiger Nachsorge.
Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, die Ursachen der Erkrankung wissenschaftlich besser zu verstehen und gleichzeitig die interdisziplinäre Versorgung von Patientinnen und ihren Kindern nachhaltig zu verbessern.
Die Spezialist:innen der Charité betreiben hierzu Grundlagenforschung zur Entstehung der erkrankten Plazenta, entwickeln klinische Algorithmen und Vorhersagemodelle für ein optimiertes Management der Erkrankung und behandeln nach aktuellen internationalen Standards.
Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am DHZC sowie mit der Klinik für Nephrologie an der Charité.
Da Bluthochdruck, Gefäßschäden und Nierenerkrankungen im Zusammenhang mit Präeklampsie das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dauerhafte Nierenschäden deutlich erhöhen, werden Risikopatient:innen der Geburtsmedizin über die Spezialsprechstunden am DHZC informiert, aufgeklärt und dort langfristig weiterbetreut. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit und Weiterbehandlung durch:
- Dr. Julia Lueg (Campus Charité Mitte)
- PD Dr. Kun Zhang (Campus Virchow-Klinikum)
- Dr. Evelyn Seelow (Klinik für Nephrologie, Campus Charité Mitte)
- Dr. Julia Seelemann (Klinik für Nephrologie, Campus Virchow-Klinikum)
Im Austausch mit der Kardiologie, dem Friede Springer Cardiovascular Prevention Center und dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) an der Charité soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der AG Präeklampsie weiter ausgebaut werden. Maßgeblich beteiligt sind hierbei insbesondere PD Dr. Ralf Dechend (ECRC) sowie Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen (Friede Springer Cardiovascular Prevention Center).
Weitere Informationen zur AG Präeklampsie
Leitung: Dr. Lisa Antonia Lorenz-Meyer, Oberärztin an der Klinik für Geburtsmedizin der Charité
Die Survivorship Clinic an der Charité steht für eine verbesserte Versorgung von Langzeitüberlebenden mit gynäkologischer Tumorerkrankung. Teilnehmen können Patientinnen, die an Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs oder Brustkrebs erkrankt sind und deren Erstdiagnose mindestens fünf Jahre zurückliegt – unabhängig von ihrer aktuellen Gesundheitssituation.
Die Patientinnen werden in der Sprechstunde zu Langzeitnebenwirkungen, zur Tumornachsorge und zu gesundheitsfördernden Maßnahmen beraten. Außerdem wird gemeinsam ein individueller Präventions- bzw. Therapieplan (Survivorship-Care-Plan) erstellt.
Enge Zusammenarbeit mit der DHZC-Kardiologie
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen gynäkologischen Krebserkrankungen und dem Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Drei Beispiele:
- Brustkrebs lässt sich inzwischen immer besser behandeln; viele der erkrankten Patientinnen leben deutlich länger. Dadurch werden jedoch auch Langzeitfolgen der Behandlung wichtiger. Vor allem nach Bestrahlung der linken Brust kann das Risiko für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit erhöht sein. Zur Bestrahlung werden deshalb heute spezielle schützende Techniken eingesetzt, um die Strahlendosis gering zu halten.
- Bestimmte Tumortherapien können zu einer Herzschwäche führen. Dazu gehören etwa die Chemotherapie oder die Einnahme bestimmter Medikamente.
- Auch Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck können infolge einer Krebstherapie entstehen, etwa durch die Einnahme bestimmter Medikamente. Umso wichtiger ist es, vor Beginn der Krebstherapie einen vorliegenden Bluthochdruck optimal einzustellen und auch Patient:innen mit normalem Blutdruck eng auf mögliche Veränderungen zu überprüfen (Quelle: Deutsche Herzstiftung).
Aus diesem Grund werden Patient:innen, die in der Survivorship-Sprechstunde der Charité behandelt werden, zur weiteren Abklärung an die Spezialsprechstunden des DHZC überwiesen. So wird eine frühe Diagnose und langfristige Therapie bei drohenden kardiovaskulären Erkrankungen sichergestellt.
Diese enge Zusammenarbeit zwischen der Onkologie und der Kardiologie wird im Fachbereich „Onkologische Kardiologie“ vertieft. Im Fokus stehen kardiovaskuläre Erkrankungen, die nach einer Krebsbehandlung aufgetreten sind – mit dem Ziel, diese Erkrankungen frühzeitig zu entdecken, zu überwachen und zu behandeln.
Leiterin der Sprechstunde: PD Dr. Hannah Woopen, MSc
Direktor der Charité-Klinik für Gynäkologie CVK: Prof. Dr. Jalid Sehouli
„Die Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Onkologie, Kardiologie und weiteren Fachbereichen ist entscheidend, um Patientinnen ganzheitlich zu begleiten und gezielt zu behandeln. Nur ein Organ isoliert zu betrachten, reicht dafür nicht aus.“
Prof. Dr. Jalid Sehouli

Forschung zur geschlechterspezifischen Herzmedizin
Am DHZC forschen wir intensiv zu geschlechterspezifischen Unterschieden in der Herzmedizin. Ziel ist es, besser zu verstehen, warum Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich verlaufen – von Risikofaktoren über Symptome bis hin zu Therapieerfolgen. Die folgenden ausgewählten Projekte und Publikationen geben Einblicke in relevante wissenschaftliche Veröffentlichungen, aktuelle Forschungsansätze und mögliche innovative Behandlungskonzepte.
Ausgewählte Forschungsprojekte & Publikationen
MINOCA: Geschlechterspezifische Ursachen & individualisierte Therapien des „unsichtbaren Herzinfarkts“
Ein Herzinfarkt wird meist mit verstopften Herzkranzgefäßen in Verbindung gebracht. Doch nicht alle Betroffenen zeigen solche typischen Gefäßverschlüsse. Beim Herzinfarkt ohne verengte Herzkrankgefäße, dem sogenannten MINOCA (Myokardinfarkt mit nichtobstruktiven Koronararterien), können ebenfalls Verengungen und Durchblutungsstörungen auftreten – allerdings häufig in den kleineren Gefäßen des Herzens und nicht in den großen Herzkranzgefäßen. Deshalb bleiben die Veränderungen bei Standarduntersuchungen oft unsichtbar. Um diese sogenannten Mikroinfarkte zu erkennen, sind besonders sensitive Diagnoseverfahren wie ein kardiales MRT notwendig.
MINOCA ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Ursachen – darunter Gefäßkrämpfe, spontane Koronararteriendissektionen, kleine Blutgerinnsel oder Störungen der kleinsten Herzgefäße.
Am DHZC erforscht eine spezialisierte kardiochirurgische Arbeitsgruppe, warum sich MINOCA bei Frauen und Männern unterschiedlich zeigt und wie Diagnose und Therapie verbessert werden können.
Diese Sonderform des Herzinfarkts macht etwa zehn Prozent aller Infarktfälle aus und betrifft Frauen in einigen Formen der Erkrankung häufiger als Männer. So treten etwa spontane Gefäßwandrisse oder mikrovaskuläre Funktionsstörungen öfter bei Frauen auf als bei Männern.
Gründe für die geschlechterspezifischen Unterschiede
Die Forschenden gehen davon aus, dass neben klassischen Risikofaktoren für einen Herzinfarkt wie Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes auch geschlechtsspezifische Faktoren eine wichtige Rolle für die Entstehung von MINOCA spielen. Dazu gehören etwa Komplikationen in der Schwangerschaft, Präeklampsie, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder Autoimmunerkrankungen, die bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern. Viele dieser Faktoren wurden in der Herzforschung lange kaum erfasst oder ausgewertet.
„Daten zum Zyklus, zur Medikation und zur gesundheitlichen Vorgeschichte der Patientinnen – etwa zu Komplikationen während der Schwangerschaft – werden erst seit kurzem strukturell erfasst und in wissenschaftliche Analysen einbezogen“, sagt Dr. Chistien Beez, die als wissenschaftliche Leiterin in der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Maximilian Emmert zu dem Thema forscht.
„Je besser die Datenlage, desto verlässlicher lässt sich verstehen, wie MINOCA entsteht und individuell behandelt werden kann.“
Dr. Christien Beez

Bisher stellt dieser „unsichtbare Herzinfarkt“ die Medizin vor große Herausforderungen: Bis heute gibt es keinen eindeutigen Biomarker, der die Diagnose schnell sichern kann. Auch spezifische, auf MINOCA-Patient:innen zugeschnittene Therapien werden noch entwickelt. Deshalb arbeitet die Forschungsgruppe daran, neue Diagnoseverfahren und individuellere Therapieansätze voranzubringen.
Im Mittelpunkt stehen dabei moderne experimentelle und klinische Forschungsansätze. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein eigenes Tiermodell entwickelt, um die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Therapien zu testen. Außerdem vergleichen sie MINOCA mit dem klassischen Herzinfarkt, um neue Biomarker zu identifizieren – etwa Entzündungsstoffe oder sogenannte extrazelluläre Vesikel. Das sind winzige Informationspakete von Zellen, die eine wichtige Rolle bei Entzündungs- und Heilungsprozessen spielen könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung einzelner Zelltypen, die an der Entstehung und Heilung von Herzschäden beteiligt sind. Dabei analysiert die Forschungsgruppe gezielt Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Zellen, um geschlechterspezifische Mechanismen besser zu verstehen. Eine klinische Studie zur Überprüfung neuer Diagnoseverfahren wird gerade vorbereitet.
Langfristig sollen die Erkenntnisse dazu beitragen, MINOCA früher zu erkennen und gezielter zu behandeln – und dem Thema dadurch auch mehr Aufmerksamkeit zu geben. „Dass Männer und Frauen zum Teil andere Symptome bei einem Herzinfarkt haben und die Erkrankung bei Frauen oft später erkannt wird als bei Männern, wird inzwischen auch in der Öffentlichkeit häufiger diskutiert. Wir möchten mit unserer Forschung über Ursachen und mögliche Therapien von „Sonderformen“ des Herzinfarkts aufklären und dafür sensibilisieren“, sagt Dr. Christien Beez.
Herzschwäche bei Frauen: Trikuspidalklappeninsuffizienz zuverlässig erkennen und behandeln
Eine aktuelle Studie der DHZC-Kardiolog:innen Dr. Isabel Mattig (Erstautorin) und Prof. Dr. Henryk Dreger (Letztautor) zeigt: Frauen mit Herzschwäche sind deutlich häufiger von einer mittel- und hochgradigen Trikuspidalklappeninsuffizienz betroffen als Männer. Diese Undichtigkeit der Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer verschlechtert die Prognose der Patientinnen und Patienten. Die DHZC-Studie weist erstmals deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Formen der Herzschwäche nach.
Die Ergebnisse zeuigen: Bei Frauen verschlechtert eine Trikuspidalklappeninsuffizienz vor allem dann die Prognose, wenn eine Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion besteht. Bei Männern hingegen ist eine Trikuspidalklappeninsuffizienz besonders gefährlich, wenn die Herzschwäche mit einer verminderten Pumpkraft einhergeht.
„Risiken und Krankheitsverläufe sind bei Frauen und Männern unterschiedlich. Eine eindeutige Diagnose und regelmäßige Kontrollen einer Trikuspidalklappeninsuffizienz sollten deshalb stärker an das Geschlecht angepasst werden.“
Dr. Isabel Mattig

Warum Frauen häufiger an HFpEF erkranken als Männer
Herzinsuffizienz ist nicht gleich Herzinsuffizienz: Besonders häufig entwickeln Frauen eine Form der Herzschwäche, bei der die Pumpkraft des Herzens erhalten bleibt, das Herz sich aber nicht mehr ausreichend entspannen und füllen kann. Fachleute sprechen von einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Vor allem nach den Wechseljahren sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer.
Forschende der Charité untersuchen im DFG Sonderforschungsbereich 1470, welche Rolle Geschlechtshormone, das Immunsystem und das Darmmikrobiom bei dieser Form der Herzschwäche spielen.
Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, warum hormonelle Veränderungen – etwa in den Wechseljahren – Entzündungsprozesse, Stoffwechsel und die kleinen Blutgefäße des Herzens beeinflussen können. Die Forschenden vermuten, dass Veränderungen des Darmmikrobioms und des Immunsystems dazu beitragen, dass die feinen Herzgefäße schlechter durchblutet werden und sich Herzgewebe verändert. Dadurch kann langfristig eine Herzschwäche entstehen.
Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, werden modernste „Multi-Omics“-Methoden eingesetzt. Dabei analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichzeitig genetische, immunologische, mikrobiologische und Stoffwechsel-Daten aus experimentellen Modellen und Patientenkohorten. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Mechanismen der Herzschwäche besser zu erkennen und neue, individuell angepasste Therapien zu entwickeln.
Die Forschung zeigt: Geschlechtsspezifische Unterschiede betreffen nicht nur Symptome und Krankheitsverläufe, sondern reichen bis in die biologischen Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinein. Genau dieses Verständnis ist entscheidend für eine präzisere und gerechtere Herzmedizin.
Diagnose und Behandlung einer Myokarditis: Warum Alter und Geschlecht entscheidend sind
Eine aktuelle Studie unter Leitung der DHZC-Kardiolog:innen Dr. Tharusan Thevathasan (Erstautor) und Prof. Dr. Bettina Heidecker (Letztautorin) zeigt: Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) verläuft je nach Alter und Geschlecht sehr unterschiedlich. Für die Versorgung bedeutet das: Patientinnen und Patienten benötigen eine individuell angepasste Diagnostik und Therapie.
Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?
Die Studie zeigt drei zentrale Punkte:
- Junge Männer (vor allem zwischen Pubertät und 35 Jahren) erkranken deutlich häufiger an einer Myokarditis.
- Kinder (unter 11 Jahren bei Mädchen und unter 13 Jahren bei Jungen) sowie ältere Erwachsene (ab 54 Jahren) haben das höchste Risiko für einen schweren Verlauf sowie ein höheres Sterberisiko.
- Mit zunehmendem Alter gleichen sich die Unterschiede zwischen Frauen und Männern an. In dieser Altersgruppe erkranken fast genauso viele Frauen wie Männer an einer Myokarditis.
Das bedeutet: Alter und Geschlecht geben wichtige Hinweise darauf, wie die Erkrankung verläuft und wie intensiv sie behandelt werden muss.
„Unsere Daten zeigen, dass eine Myokarditis je nach Alter und Geschlecht sehr unterschiedlich verlaufen kann. Diese Unterschiede sollten wir in Diagnostik und Behandlung stärker berücksichtigen.“
Prof. Dr. Bettina Heidecker

Wer braucht eine besonders engmaschige Betreuung?
Die Ergebnisse zeigen klar:
- Sehr junge und ältere Patient:innen müssen häufiger und auch länger im Krankenhaus behandelt werden. In diesen Gruppen treten mehr Komplikationen und schwerere Verläufe auf.
- Männliche Patienten erkranken häufiger an einer Myokarditis als Frauen. Ein zentraler Grund liegt in biologischen Unterschieden der Immunreaktion und im Hormonhaushalt – besonders ab der Pubertät: Studien zeigen, dass das Immunsystem bei Jungen und jungen Männern anders auf Auslöser wie Viren reagiert. Dabei kommt es häufiger zu einer stärkeren, eher entzündungsfördernden Immunantwort, die den Herzmuskel stärker schädigen kann. Gleichzeitig beeinflussen Geschlechtshormone den Krankheitsverlauf: Testosteron steht eher mit ungünstigen Veränderungen des Herzmuskels und stärkeren Entzündungen in Zusammenhang. Östrogen wirkt dagegen teilweise schützend und kann Entzündungsreaktionen sowie spätere Vernarbungen des Herzmuskels abschwächen. Diese Unterschiede betreffen nicht nur die Entzündung selbst, sondern auch die Heilung des Herzmuskels: Männer entwickeln häufiger strukturelle Veränderungen wie Vernarbungen, die den Verlauf verschlechtern können.
Gerade diese Risikogruppen profitieren von einer hochspezialisierten Versorgung. Am DHZC werden Patient:innen mit Myokarditis in interdisziplinären Teams mit langjähriger Erfahrung betreut.
Warum ist die richtige Diagnose so wichtig?
Die Beschwerden einer Myokarditis sind oft unspezifisch – etwa Brustschmerzen, Luftnot, Müdigkeit oder starke Erschöpfung.
Deshalb gilt:
- Bei jungen Männern sollte früh an eine Myokarditis gedacht werden. Eine zielgerichtete, umfassende Diagnostik ist deshalb besonders wichtig.
- Gleichzeitig müssen ältere Patient:innen ab 54 Jahren gezielt untersucht werden, da sie – unabhängig vom Geschlecht – häufiger schwerere Verläufe haben können.
Am DHZC kommen dafür moderne Verfahren wie Herz-MRT und – wenn nötig – Herzmuskelbiopsien zum Einsatz.
Was bedeutet das für Therapie und Nachsorge?
Auch wenn Männer häufiger betroffen sind, zeigt die Studie: Eine Myokarditis bei Frauen darf nicht unterschätzt werden, insbesondere im höheren Alter.
Für die Versorgung bedeutet das:
- Individuelle Therapieentscheidungen je nach Alter und Risikoprofil
- Engmaschige Kontrollen, insbesondere bei älteren Patientinnen
- Frühzeitige Behandlung möglicher Komplikationen
Im spezialisierten Herzinsuffizienz- und Myokarditis-Programm des DHZC wird die Therapie gezielt an die jeweilige Situation angepasst – von der medikamentösen Behandlung bis hin zu komplexen Behandlungsverfahren.
„Die Studie zeigt, dass wir Myokarditis nicht nach einem festen Schema behandeln sollten. Alter und Geschlecht helfen uns, Risiken besser einzuschätzen und die Betreuung individuell anzupassen.“
Dr. Tharusan Thevathasan

Am DHZC bedeutet das konkret:
- maßgeschneiderte Diagnostik mit hochmodernen Verfahren
- individuelle Therapieplanung – von der medikamentösen Therapie über minimalinvasive und operative Verfahren bis zur Kunstherz-Therapie
- strukturierte Nachsorge in spezialisierten Ambulanzen und Sprechstunden
Fazit
Myokarditis ist eine komplexe Erkrankung, die sich je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich zeigt. Am DHZC profitieren Patientinnen und Patienten von einer hochspezialisierten, individuellen Betreuung, die genau diese Unterschiede berücksichtigt – für eine sichere Diagnose, gezielte Therapie und bestmögliche Genesung.
Die Studie auf einen Blick
In der Studie wurden insgesamt mehr als 15.000 Patientinnen und Patienten mit akuter oder chronischer Myokarditis untersucht. Die Daten stammen aus drei Zentren in Berlin sowie aus einer großen US-Datenbank. Insgesamt wurden 6.023 Fälle aus Berlin und 9.079 Fälle der US-Kohorte einbezogen. Im Fokus standen Unterschiede nach Alter und Geschlecht, sowie Krankheitsverlauf, Krankenhausaufenthalt, Komplikationen und Sterblichkeit. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal JACC: Advances veröffentlicht.
Eine hochgradigeAortenklappenstenose gehört zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen im höheren Lebensalter. Die verengte Herzklappe kann heute entweder chirurgisch ersetzt oder mittels Katheterverfahren behandelt werden – der sogenannten Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI). Forschende der DEDICATE-DZHK6-Studie haben untersucht, ob Frauen und Männer unterschiedlich von diesen Verfahren profitieren.
An der Studie sind rund Herzzentren beteiligt, darunter auch Forschende des DHZC: unter anderem Prof. Volkmar Falk,Prof. Ulf Landmesser und Prof. Henryk Dreger. Analysiert wurden die Daten von fast 1.400 Patientinnen und Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose.
Die Ergebnisse zeigen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen waren bei der Behandlung im Durchschnitt älter und hatten trotz insgesamt weniger Begleiterkrankungen ein höheres Operationsrisiko als Männer. Gleichzeitig profitierten Frauen besonders stark von der kathetergestützten Behandlung (TAVI): Nach einem Jahr traten bei ihnen seltener Schlaganfälle oder Todesfälle auf als nach einem chirurgischen Klappenersatz.
Zugleich zeigte die Studie, dass Frauen unabhängig vom gewählten Verfahren häufiger frühe Komplikationen entwickelten. Nach einer Operation war ihr Schlaganfallrisiko erhöht. Männer hingegen wiesen häufiger Begleiterkrankungen wie Diabetes, koronare Herzkrankheit oder Vorhofflimmern auf.
Die Forschung macht deutlich, dass Frauen und Männer bei Herzklappenerkrankungen unterschiedliche Risiken und Krankheitsverläufe haben. Diese Unterschiede sollten künftig stärker in Therapieentscheidungen einbezogen werden. Ziel ist eine individuellere Herzmedizin, bei der Behandlungsverfahren besser an biologische und geschlechtsspezifische Besonderheiten angepasst werden.
TAVI-Studie: Frauen erleben mehr Belastungen vor und nach dem Eingriff – und benötigen eine angepasste Versorgung
Psychosoziale Unterstützungsangebote und engmaschige Kontrollen können den Behandlungserfolg verbessern
Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) ist ein etabliertes, minimalinvasives Verfahren zur Behandlung einer verengten Aortenklappe. Wie fühlen sich Frauen und Männer vor und nach dem Eingriff, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Behandlung? Diese Frage haben DHZC-Forscher:innen in einer Studie untersucht. Sie konnten eindeutige geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen – Frauen waren vor dem Eingriff ängstlicher als Männer und hatten auch nach der TAVI häufiger Beschwerden: Sie waren länger im Krankenhaus, hatten größere Probleme bei Alltagsaufgaben wie Gehen und Einkaufen, fühlten sich hilfloser und zeigten verstärkt depressive Symptome.
Die Ergebnisse rücken die Bedeutung einer individuellen Therapie in den Mittelpunkt. „Unsere Auswertungen zeigen, dass Frauen rund um eine TAVI oft angepasste Unterstützungsangebote brauchen als Männer. Mehr Aufmerksamkeit in der Nachsorge und gezielte psychologische Begleitung – vor und nach dem Eingriff – können helfen, Ängste zu verringern und mehr Sicherheit zu geben. Diese Unterschiede sollten im Klinikalltag stärker berücksichtigt werden“, sagt Dr. Tharusan Thevathasan, Arzt und Forscher an der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin und Erstautor der Studie.
„Eine „Einheitsbehandlung“ wird den unterschiedlichen Bedürfnissen nicht gerecht. Angebote zur gezielten psychologischen Unterstützung, engmaschigen Nachsorge und individuellen Betreuung können entscheidend dazu beitragen, den Behandlungserfolg einer TAVI bei Frauen zu verbessern und die Lebensqualität nachhaltig zu stärken.“
Dr. Tharusan Thevathasan

Unterschiede bei Überlebenschancen nach Herz-Kreislauf-Stillstand
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Trotz großer Fortschritte in der Notfall- und Intensivmedizin sterben noch immer viele Betroffene an den Folgen eines Herzstillstands. Forschende des DHZC haben deshalb untersucht, wie sich Überlebenschancen, Behandlung und Krankenhausversorgung in den vergangenen Jahren verändert haben – und welche Unterschiede zwischen verschiedenen Patientengruppen bestehen.
An der Studie beteiligt waren unter anderem Dr. Tharusan Thevathasan (Erstautor), Prof. Carsten Skurk (Letztautor), Prof. Ulf Landmesser, Dr. Wulf Knie und Dr. Georg Girke. Grundlage der Analyse waren die Daten von fast 250.000 Patientinnen und Patienten in den USA über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Die Ergebnisse zeigen: Die Überlebenschancen nach einem Herzstillstand haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Gleichzeitig wurden Krankenhausaufenthalte kürzer, während moderne intensivmedizinische Therapien – etwa mechanische Kreislaufunterstützungssysteme – häufiger eingesetzt wurden.
Besonders auffällig waren jedoch Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Ältere Menschen, nicht-weiße Patientinnen und Patienten sowie schwer Erkrankte hatten ein deutlich höheres Sterberisiko. Zudem nahm die Zahl junger Erwachsener mit Herzstillstand im Untersuchungszeitraum deutlich zu.
Die Studie macht deutlich, wie wichtig eine personalisierte Herzmedizin ist. Geschlecht, Alter, Vorerkrankungen und soziale Faktoren können entscheidend beeinflussen, wie gut Menschen nach einem Herzstillstand behandelt werden und welche Überlebenschancen sie haben. Ziel der Forschung ist es deshalb, Unterschiede in der Versorgung besser zu verstehen und die Behandlung für alle Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern.
Eingriffe zur Schlaganfallprävention: Geschlechterspezifische Unterschiede
Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen und erhöht das Risiko für Schlaganfälle deutlich. Für Patientinnen und Patienten, die keine blutverdünnenden Medikamente einnehmen können, kann der Verschluss des sogenannten linken Vorhofohrs (Left Atrial Appendage Closure, LAAC) eine wichtige Alternative sein. Dabei wird ein sogenannter Okkluder, ein kleines Implantat eingesetzt, das verhindern soll, dass sich Blutgerinnsel bilden und ins Gehirn gelangen.
Forschende des DHZC untersuchten gemeinsam mit internationalen Partnern, wie sicher dieser Eingriff im klinischen Alltag ist – und welche Unterschiede es zwischen Frauen und Männern gibt. Beteiligt waren unter anderem Dr. Tharusan Thevathasan (Erstautor), Prof. Carsten Skurk (Letztautor), Prof. Ulf Landmesser, Prof. Philipp Attanasio, Dr. Markus Reinthaler und Dr. Patrick Nagel.
Für die Studie wurden Daten von mehr als 11.000 Patientinnen und Patienten in den USA ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen: Der Eingriff ist in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich sicherer geworden. Komplikationen traten seltener auf, Krankenhausaufenthalte verkürzten sich und die Behandlung konnte effizienter durchgeführt werden.
Gleichzeitig machte die Untersuchung wichtige geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar: Frauen hatten nach dem Eingriff ein höheres Risiko für bestimmte Komplikationen, etwa Flüssigkeitsansammlungen am Herzen oder Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel. Zudem zeigten sich regionale Unterschiede in der Versorgung von Frauen und Männern.
Die Studie unterstreicht, wie wichtig eine geschlechtersensible Herzmedizin ist. Unterschiede zwischen Frauen und Männern müssen stärker berücksichtigt werden, um Eingriffe noch sicherer zu machen und Therapien individueller anzupassen.
Geschlechtersensible Diagnostik in der Echokardiographie
Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur bei Symptomen und Krankheitsverläufen, sondern auch in der Struktur und Funktion des Herzens. Deshalb spielen geschlechtsspezifische Normwerte in der Echokardiographie – der Ultraschalluntersuchung des Herzens – eine wichtige Rolle. Nur wenn diese Unterschiede berücksichtigt werden, können Herzerkrankungen präzise erkannt und richtig eingeordnet werden.
Am DHZC arbeitet ein interdisziplinäres Team daran, die Befundung in der Echokardiographie stärker zu personalisieren. Beteiligt sind unter anderem Dr. Ursula Wilkenshoff,Dr. Anna Sannino, Dr. Elena Romero Dorta,Dr. Nikolas Merke und Dr. Matthias Schneider-Reigbert. Gemeinsam entwickeln sie standardisierte Untersuchungs- und Befundungskonzepte und sind in der Forschung aktiv.
Im Mittelpunkt steht eine digitale Eingabemaske, die geschlechtsspezifische Normwerte automatisch berücksichtigt. Vor der Untersuchung werden individuelle Angaben wie Geschlecht, Größe und Gewicht erfasst. Das System zeigt anschließend die passenden Referenzwerte für Frauen oder Männer an und markiert auffällige Befunde farblich. Dadurch können Veränderungen schneller erkannt und präziser bewertet werden.
Die zugrunde liegenden Normwerte basieren auf aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und werden kontinuierlich aktualisiert. Das System wird inzwischen DHZC-weit genutzt und unterstützt eine einheitliche, geschlechtersensible Herzdiagnostik.
Die Forschung zeigt: Moderne Herzmedizin wird immer personalisierter. Neben dem biologischen Geschlecht werden zunehmend weitere Faktoren wie Körpergröße, Gewicht oder individuelle körperliche Voraussetzungen berücksichtigt. Ziel ist eine präzisere Diagnostik und eine individuellere Behandlung von Herzkrankheiten.
„In der Befundung und Diagnostik müssten geschlechterspezifische Unterschiede noch stärker berücksichtigt werden. Auch in der Lehre und Ausbildung sollte dieses Thema einen viel größeren Stellenwert einnehmen als bisher."
Dr. Ursula Wilkenshoff

Kardioonkologie: Wenn Krebs und Herzmedizin zusammenkommen
Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen sich häufig gegenseitig. Genau damit beschäftigt sich die Kardioonkologie – ein spezialisiertes Fachgebiet zwischen Krebsmedizin und Kardiologie. Forschende am DHZC und an der Charité untersuchen, wie Krebstherapien das Herz belasten können und wie sich Herzkrankheiten auf die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten auswirken.
Ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Ursula Wilkenshoff liegt auf der Frage, wie Herzschäden durch moderne Krebsbehandlungen frühzeitig erkannt werden könnten. Denn bestimmte Chemotherapien oder Bestrahlungen können das Risiko für Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Gefäßerkrankungen erhöhen.
Besonders wichtig ist dabei die individuelle Risikoabschätzung. Frauen und Männer reagieren teilweise unterschiedlich auf Krebstherapien und können dementsprechend auch unterschiedliche Herz-Kreislauf-Komplikationen entwickeln. Ziel der Forschung ist es deshalb, Herz und Krebstherapie gemeinsam zu betrachten und Patientinnen und Patienten möglichst frühzeitig und individuell zu betreuen.
Die Kardioonkologie zeigt beispielhaft, wie eng verschiedene medizinische Fachbereiche zusammenarbeiten – und wie wichtig personalisierte Medizin für eine sichere und langfristig erfolgreiche Behandlung ist.
Mehr Vielfalt in klinischen Studien zur Frauenkrebsforschung
Klinische Studien sind entscheidend, um neue Therapien gegen Krebserkrankungen zu entwickeln. Doch viele Studien spiegeln die tatsächliche Vielfalt der Patientinnen bislang nur unzureichend wider. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen oder sozialer Lebenssituationen sind häufig unterrepräsentiert. Dadurch ist oft unklar, ob neue Behandlungen für alle Betroffenen gleichermaßen wirksam und sicher sind.
Internationale Forschende um Prof. Jalid Sehouli (Direktor der Charité-Klinik für Gynäkologie am Campus Virchow-Klinikum und Erstautor der Publikation) haben deshalb gemeinsame Empfehlungen entwickelt, um klinische Studien in der gynäkologischen Onkologie gerechter und vielfältiger zu gestalten. Ziel ist es, Hürden bei der Teilnahme an Studien abzubauen und Forschungsergebnisse besser auf die reale Versorgung von Patientinnen übertragen zu können.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass Faktoren wie Herkunft, Ethnie, Alter oder soziale Lebensbedingungen die Behandlungsergebnisse beeinflussen können. Dennoch werden diese Unterschiede in vielen Studien bislang nicht ausreichend erfasst oder ausgewertet. Gerade für eine personalisierte Medizin ist es jedoch wichtig zu verstehen, wie unterschiedliche Patientinnengruppen auf Therapien reagieren.
Die Empfehlungen der internationalen Arbeitsgruppe sollen dazu beitragen, klinische Forschung inklusiver zu machen und die medizinische Versorgung langfristig gerechter zu gestalten. Die Arbeit zeigt zugleich, wie wichtig Vielfalt und geschlechtersensible Forschung in der modernen Medizin sind – damit neue Therapien möglichst allen Patientinnen zugutekommen.
Vielfalt in klinischen Studien verbessern
Klinische Studien bilden die Grundlage moderner Medizin. Damit neue Therapien möglichst allen Menschen zugutekommen, müssen in Studien unterschiedliche Bevölkerungsgruppen angemessen vertreten sein. Genau daran mangelt es jedoch häufig: Menschen mit verschiedenen sozialen, kulturellen oder sprachlichen Hintergründen nehmen bislang nicht gleichermaßen an klinischen Studien teil.
Internationale Forschende aus dem Netzwerk derGynecologic Cancer Intergroup haben deshalb untersucht, welche Hürden die Teilnahme an klinischen Studien erschweren und wie sich Vielfalt und Chancengleichheit verbessern lassen. Prof. Jalid Sehouli, Direktor der Charité-Klinik für Gynäkologie am Campus Virchow-Klinikum, ist Letztautor der Publikation.
Für die Studie wurden Expertinnen und Experten aus 33 Ländern befragt. Die Ergebnisse zeigen: Sprachbarrieren und strenge Einschlusskriterien gehören weltweit zu den wichtigsten Gründen dafür, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen in Studien unterrepräsentiert sind. Auch mangelnde Informationen über klinische Studien erschweren vielen Menschen den Zugang zur Forschung.
Besonders deutlich wurde, dass Frauen die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung von Vielfalt und Teilhabe häufiger unterstützten als Männer. Als besonders hilfreich galt die Bereitstellung von Studieninformationen in mehreren Sprachen.
Die Forschung macht deutlich, dass gerechtere und vielfältigere Studien notwendig sind, um medizinische Versorgung besser an unterschiedliche Lebensrealitäten anzupassen. Ziel ist eine Forschung, die alle relevanten Bevölkerungsgruppen berücksichtigt – und dadurch präzisere, fairere und individuellere Therapien ermöglicht.
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Bildnachweise
- DHZC / Fabian Tischer; DHZC / Christian Maier; DHZC / Sarah Paff
- Bild Prof. Sehouli: Charité / Wiebke Peitz
- Bilder Medikamentendosierung: unsplash
- Bilder Herzinfarkt: KI-generiert / unsplash