Folge 3: Andreas: Erster Praxiseinsatz auf der Station M111
Pflegeperspektiven: Erster Praxiseinsatz von Andreas
Folge 3 · Juni 2026
Um 4 Uhr aufstehen, um 6 Uhr beginnt die Übergabe. Wir haben Andreas einen Frühdienst lang begleitet.
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Informationen & Transkript
Andreas ist 41 und im ersten Ausbildungsjahr. Sein Orientierungseinsatz führt ihn auf die kardiologische Station M111 mit 40 Betten und Telemetrie. Wir sehen Übergabe, Wiegen, Blutzuckermessen, EKG-Geräte und Betten beziehen. Stationspflegechef Stefan sagt, warum Auszubildende hier kein Klotz am Bein sind.
- Video: https://www.youtube.com/watch?v=NcD_PXPWtdE
- Veröffentlicht: 03.06.2026
[00:00] Off: Ein Mittwoch im Dezember, es ist kurz nach 6 Uhr. Schichtbeginn für Andreas, Auszubildender zur Pflegefachperson am Deutschen Herzzentrum der Charité.
[00:09] Andreas: Ich gehe früh ins Bett, jeden Tag zum Sport, bin ausgepowert, und von daher: Um 4 Uhr stehe ich auf, frühstücke, alles super. Also, man gewöhnt sich daran. Ich meine, der Job macht Spaß, und man weiß es ja vorher, wenn man sich für diesen Job entscheidet, dass man um Schichtdienst nicht herumkommt. Von daher sollte man irgendwie gucken, dass man da seinen guten Weg findet, und den habe ich gefunden.
[00:30] Off: Andreas ist 41 Jahre alt und im ersten Jahr der Ausbildung zum Pflegefachmann. Hier auf der kardiologischen Station M111 hat er seinen Orientierungseinsatz, also den ersten Praxiseinsatz. Und jede Schicht beginnt mit der Übergabe.
[00:47] Andreas: Das ist eigentlich das Nonplusultra bei jedem Dienstbeginn: Neuzugänge, was für Krankheiten sie haben, was noch für Termine anstehen, [Entlassungen]. Also es wird jedes Zimmer durchgegangen, jeder Patient, und dann gibt's Input, Input, Input.
[01:00] Off: Andreas ist seit drei Wochen im Praxiseinsatz, lange genug, um schon selbstständig arbeiten zu können und das Pflegeteam der Station damit zu entlasten. An seiner Seite ist Jenny, in Ausbildung zur Pflegefachassistentin an der Charité. Die beiden wiegen heute alle Patienten, bei denen das ärztlich angeordnet ist. Eine der wichtigsten Regeln im Pflegealltag hat Andreas bereits drauf: Handhygiene.
[01:25] Frage: Gewöhnt man sich das schnell an mit dem Händedesinfizieren?
[01:26] Andreas: Ja, man gewöhnt sich schnell dran. Aber manchmal hat man so Momente, wo man dann kurz zurückgeht und sagt: Ich habe was vergessen.
[01:34] Off: [Zehn] Patientinnen und Patienten stehen auf der Liste. Jenny und Andreas setzen sie auf einen Stuhl mit Waage, dann zurück ins Bett, Werte eintragen. In einer halben Stunde ist alles erledigt.
[01:47] Andreas: Jetzt haben wir die Gewichte abgenommen, und jetzt geht's zum nächsten Patienten, und da messen wir jetzt den Blutzucker.
[01:52] Off: Den richtigen Ton bei den Patientinnen und Patienten zu treffen, fällt Andreas nicht schwer.
[01:57] Patient: Darf ich einen Wunsch äußern? Andreas: Ja. Patient: Nicht so doll, nicht dass das blutet. Andreas: Ja, das wird schwer, aber ich versuche mein Bestes.
[02:05] Off: Die Tücken hier sind eher technisch-pflegerischer Art.
[02:08] Andreas: Da kommt heute nichts. Patient: Ich bin da sehr geizig mit Blut. Andreas: Ja, ich merk schon, wir sind echt ein bisschen geizig mit Blut. Wollen Sie mich heute ärgern, ne? Ich glaube, da müssen wir noch mal. Das ist zu wenig. [unverständlich] Den hier, wollen wir den machen? Patient: Ja. Andreas: So. Ja, das ist doch super.
[02:30] Andreas: Das ist doch traumhaft. Man wird selbstsicherer, ne? Also, man merkt es halt: Man wird von Tag zu Tag sicherer. Und ich war gestern nicht da, weil ich eine interne Schulung hatte, und muss gestehen, ich habe es vermisst. Also es macht halt super viel Spaß.
[02:46] Off: In seiner Ausbildungsklasse ist Andreas der mit Abstand älteste Schüler. Er hat in seinem Leben schon einiges erlebt: Ausbildung zum Fachangestellten für Bürokommunikation, dann Vertriebler in der Modebranche, Selbstständigkeit. Dann fängt Andreas noch mal von vorne an. Er macht die Weiterbildung zum Pflegehelfer in der Altenpflege, stellt fest, dass er auf einem guten Weg ist, und bewirbt sich für die Ausbildung zum Pflegefachmann. Lebenserfahrung bringt Andreas mit, Fachwissen muss er noch sammeln. Sein Merkheftchen ist nach drei Wochen Praxiseinsatz jedenfalls schon gut gefüllt.
[03:22] Andreas: Wir haben schon ein bisschen [unverständlich] gezogen. Aber ja, alles, was mir tagtäglich irgendwie über den Weg läuft, schreibe ich auf. Ich habe es [„Kardiobibel“] getauft.
[03:32] Off: Die Station M111 hat insgesamt 40 Betten. Rund 50 Pflegende gehören zum Team. Einige davon sind als Praxisanleiterinnen spezialisiert. Sie führen die Auszubildenden in ihre Tätigkeit ein und machen sie mit allen Abläufen vertraut. Aber die Praxisanleiterinnen können sich nicht jeden Tag um die Pflegeschüler kümmern. Andreas arbeitet bereits selbstständig, und er kann sich bei Fragen jederzeit an alle Profis im Team wenden. Als Belastung werden Auszubildende hier nie wahrgenommen, sagt Stationspflegechef Stefan.
[04:05] Stefan: Klotz am Bein soll es niemals sein. Es gibt durchaus Situationen, wo man Auszubildenden sagen muss: Du, jetzt kleinen Moment, jetzt brennt hier die Hütte, jetzt brauchen wir ein bisschen einfach Konzentration. Aber es gibt ja auch die ruhigen Momente, wo man das im Nachgang noch mal erklären kann, sodass es eine Win-win-Situation ist. Und die Zeiten von [„Geh mal zur Klingel“], die sollten vorbei sein.
[04:25] Andreas: Dann gehen wir noch mal schauen, ob wir irgendwie jemanden unterstützen können.
[04:30] Stefan: Andreas macht sich toll. Der hatte vom ersten Tag an einen wachen Blick, war offen, ist natürlich mit Anfang 40 schon reifer und hat damit natürlich auch weniger Hemmungen im Zimmer, im Umgang mit fremden Menschen, ganz wichtig. Und da profitiert man dann manchmal von ein bisschen Lebenserfahrung. Macht sich toll.
[04:50] Andreas zu Jenny: So, dann gehst du auf Patientenverwaltung. So, dann suchst du hier einmal „Patient suchen“.
[04:56] Off: Die M111 ist eine Telemetriestation. Die Patientinnen hier tragen EKG-Einheiten, die mit den Rechnern am Stützpunkt drahtlos verbunden sind. Jedes Gerät muss im System erst mal zugeordnet werden. Ein Job für die Auszubildenden.
[05:14] Andreas: Es ist im Prinzip wie ein Langzeit-EKG. Es wird um den Hals gehängt, und dann können sie sich frei bewegen. Es ist jetzt nicht so, dass sie da am Bett liegen müssen und sich nicht bewegen können. Dann messen wir zudem noch die Vitalwerte und geben sie dementsprechend gleich in der Patientenakte ein.
[05:29] Off: Eine gute Stunde später: Die ersten Patientinnen sind entlassen, neue werden in Kürze erwartet. Das heißt für Jenny und Andreas: Betten beziehen. Andreas weiß, penible Sorgfalt ist dabei kein übertriebener Perfektionismus, sondern pflegerische Notwendigkeit.
[05:47] Andreas: Natürlich, worauf man achten sollte: keine Falten, gerade bei bettlägerigen Patienten wegen der Dekubitusgefahr, also sprich ein Druckgeschwür. Aber das kriegt man eigentlich eingebläut, so wie Hygiene. Und ein Dekubitus ist natürlich, wenn man schon hier liegt, nicht unbedingt so toll, ne? So, jetzt [kommen die] Aufgaben.
[06:08] Off: Für heute verlassen wir Andreas erst mal wieder, aber wir bleiben dran.