Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
Eine Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels (Myokard). Dabei wird der Herzmuskel durch die Entzündung geschädigt, wodurch das Herz nicht mehr richtig pumpen kann. Die Erkrankung kann leicht verlaufen, in schweren Fällen aber auch lebensbedrohlich sein: Die Ausprägung der Myokarditis kann von kurzfristiger Belastungseinschränkung über herzinfarktähnliche Brustschmerzen bis zum plötzlichen Kreislaufversagen reichen.
Neben diesen akuten Beschwerden kommt es in etwa einem von drei Fällen langfristig zu einer Abnahme der Pumpleistung des Herzes, wie bei der Dilatativen Kardiomyopathie (DCM).
Im Gegensatz zu den verschiedenen Formen der Kardiomyopathie handelt es sich bei der Myokarditis (Herzmuskelentzündung) nach heutigem Wissen nicht um eine angeborene, sondern um eine im Laufe des Lebens erworbene Herzmuskelerkrankung.
Die Diagnosestellung und Behandlung der Myokarditis erfordern teilweise spezielle Methoden, die nur in erfahrenen Zentren angeboten werden. Am DHZC bieten wir alle Verfahren zur Diagnose und Therapie an und forschen intensiv zur Myokarditis.
Symptome
Bei einer Myokarditis können folgende Beschwerden auftreten:
- Müdigkeit und schnelle Erschöpfung
- Kurzatmigkeit (besonders bei Belastung)
- Brustschmerzen oder Druckgefühl – zum Teil ähnlich wie bei einem Herzinfarkt
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
- Schwindel oder Schwäche
In seltenen, besonders schweren Fällen der Erkrankung kann es auch zu plötzlichem Kreislaufversagen oder Bewusstlosigkeit kommen.
Oft treten die Beschwerden nach einer Erkältung oder Grippe auf.
Wichtig: Die Symptome können unterschiedlich stark sein. Wenn Beschwerden auftreten, sollte man körperliche Belastung vermeiden und ärztlichen Rat einholen.

Ursachen
Eine Myokarditis wird am häufigsten durch eine Virusinfektion ausgelöst, zum Beispiel durch Erkältungs-, Magen-Darm- oder Grippeviren. Häufig gehen diese Erkrankungen einer Herzmuskelentzündung einige Tage bis Wochen voraus.
Die Entzündung kann einerseits durch den Erreger selbst entstehen, andererseits aber auch durch eine überschießende oder fehlgeleitete Immunreaktion des Körpers nach der Infektion. Körperliche Belastung während oder kurz nach einem Infekt kann das Risiko für einen ungünstigen Verlauf erhöhen. Deshalb ist eine ausreichende Schonung nach Infekten besonders wichtig.
Bakterien lösen seltener eine Herzmuskelentzündung aus – etwas nach Zeckenbissen bei Borrelieninfektionen oder bei schweren Infektionen.
Weitere mögliche Ursachen können Autoimmunreaktionen sein, wenn also das Immunsystem den eigenen Herzmuskel angreift. Eine besonders seltene, aber aggressive Form ist die sogenannte Riesenzellenmyokarditis, bei der Immunzellen großflächig das Herzmuskelgewebe angreifen und zerstören. Der Auslöser dieser seltenen Erkrankung ist unbekannt.
In seltenen Fällen kann eine Myokarditis auch durch den Konsum bestimmter Medikamente, Alkohol oder Drogen ausgelöst werden.
Myokarditisfälle, die nach einer Impfung entstehen, sind sehr selten, zeigen in der Regel einen milden Verlauf und sind gut behandelbar.
Diagnostik
Zur Feststellung einer Myokarditis kommen – neben dem ärztlichen Gespräch und einer ersten körperlichen Untersuchung – die folgenden Untersuchungen infrage:
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Blutuntersuchungen zur Ermittlung spezieller Herz- und Entzündungswerte
- Echokardiographie (Herzultraschall)
- Kardio-MRT: Diese wichtige Untersuchung macht Entzündungen und Schäden im Herzmuskel sichtbar
In speziellen Fällen können außerdem diese Untersuchungen durchgeführt werden:
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT)
- Herzmuskelbiopsie: Bei dieser invasiven Methode wird eine Gewebeprobe aus dem Herz entnommen und untersucht. So lassen sich Entzündungszellen direkt nachweisen, Viren identifizieren und seltene Formen unterscheiden. Eine Biopsie wird aber nur in speziellen Fällen durchgeführt.
- Genetische Diagnostik
- Labordiagnostik
- Kardiopulmonale Leistungsdiagnostik
Das Herz-MRT ist die wichtigste nicht-invasive Untersuchung zur Diagnose einer Myokarditis, weil es Entzündungen, Gewebeschäden und Narben im Herzmuskel direkt sichtbar machen kann.

Therapie
Die Behandlung einer Myokarditis hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und was die Ursache ist.
Zunächst sind körperliche Ruhe und der Verzicht auf Sport wichtige Maßnahmen, um sich zu schonen.
Je nach Beschwerden und Auslöser der Erkrankung eignet sich auch eine medikamentöse Therapie. Infrage kommen etwa Medikamente zur Entlastung des Herzens, gegen Herzrhythmusstörungen oder Entzündungen sowie Mittel, die das Immunsystem bremsen.
Bei schweren Verläufen müssen die Patient:innen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Wenn das Herz stark geschwächt ist, der Kreislauf instabil wird oder lebensbedrohliche Rhythmusstörungen auftreten, kommen die folgenden invasiven Maßnahmen infrage:
- Herzkatheteruntersuchung und Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie)
- Die Implantation aller gängigen Schrittmacher- und Defibrillatoren-Systeme
- Ablationstherapie
- Verschiedene interventionelle Verschlüsse und Klappenersatz
Zudem werden für Patient:innen mit terminaler Herzinsuffizienz alle Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützungstherapie („Kunstherztherapie“) bis hin zur Vorbereitung einer Herztransplantation angeboten.

Therapie am DHZC
Am DHZC bieten wir vielfältige Therapieformen an, die individuell auf die Patientin bzw. den Patienten zugeschnitten werden. Diese reichen von der ausführlichen Diagnostik über die medikamentöse Behandlung bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen und operativen Verfahren. Unser oberstes Ziel ist es, jeder Patientin und jedem Patienten eine individuelle und ganzheitliche Behandlung zu bieten, die auf die speziellen Bedürfnisse und den Schweregrad der Erkrankung abgestimmt ist. Mit einem breiten Spektrum an Therapiemöglichkeiten setzen wir uns für die Verbesserung der Lebensqualität und die langfristige Überlebensprognose unserer Patient:innen ein.
Zu unseren Leistungen zählen unter anderem:
- Die medikamentöse Therapie je nach Ausprägung und Form der Erkrankung
- minimalinvasive Verfahren wie interventionelle Verschlüsse, Ablationen, TAVI, MitraClip sowie Implantationen aller gängigen Schrittmacher- und Defibrillator-Systeme
- alle Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützung („Kunstherz-Therapie“)
- operative Verfahren bis hin zur Herztransplantation.
Patient:innen werden ambulant in unseren Sprechstunden und Spezialambulanzen sowie stationär auf unseren zertifizierten Pflegestationen behandelt.
Sprechstunden und Ambulanzen
Patient:innen mit Herzschwäche können sich am Campus Benjamin Franklin in der Ambulanz für Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie und Myokarditis behandeln lassen. Neben modernsten Verfahren zur Diagnose und medikamentösen Behandlung bietet das Team zur Therapie von Kardiomyopathien auch verschiedene invasive Eingriffe an. Zudem werden für Patient:innen mit terminaler Herzinsuffizienz alle Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützungstherapie („Kunstherztherapie“) bis hin zur Vorbereitung zur Herztransplantation (HTX) angeboten.
Weitere Informationen und Kontakt
Leitung:
Prof. Dr. med. Bettina Heidecker
Ärztliches Team:
Dr. med. Nora Köpcke
Dr. med. Marie Therese Amtenbrink
Ansprechpartnerin für Patient:innen:
Alexandra Jäger
Terminorganisation für die Sprechstunde
Die Sprechstunde für Kardiogenetik befasst sich mit der Behandlung und molekulargenetischen Diagnostik bei vererbten Formen von Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelerkrankungen (z. B. hypertrophe und dilatative Kardiomyopathie) sowie ungeklärten Fällen von überlebtem plötzlichen Herztod (inkl. der Beratung Angehöriger).
Leitung: Prof. Dr. Wilhelm Haverkamp
Zeiten: donnerstags und freitags von 08:00 − 13:30 Uhr
Terminvereinbarung: über die Ambulanz, T. +49 30 450 513 150
Die Ambulanz für schwere Herzinsuffizienz und Kardiomyopathien ist eines der Kernstücke unseres Konzeptes für die Versorgung von Patient:innen mit Herzinsuffizienz. Je nach vorhandener kardiologischer Anbindung ist eine Vorstellung zur spezialisierten Zweitmeinung, eine ergänzende Mitbetreuung oder eine vollständige Versorgung von Patient:innen mit komplexer oder fortgeschrittener Herzinsuffizienz möglich. Da das DHZC zusammen mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin die gesamte Breite der kardiovaskulären Medizin abdeckt, bilden diese gemeinsam das einzige Überregionale Herzinsuffizienz-Zentrum in Berlin.
Kontaktinformationen
KIM-Adresse: hi-ambulanz-cvk@dhzc-charite.kim.telematik
Leiterin der Sprechstunde: Dr. Stefanie Werhahn
Die Kardiogenetik befasst sich mit der molekulargenetischen Diagnostik bei Herzmuskelerkrankungen, vererbten Formen von Herzrhythmusstörungen sowie ungeklärten Fällen von plötzlichem Herztod (inkl. der Beratung Angehöriger).
In unserer Sprechstunde für Kardiogenetik und Kardiomyopathien können sich Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren vorstellen, bei denen bereits eine der genannten Erkrankungen vorliegt oder ein Verdacht darauf besteht. Außerdem betreuen wir Kinder und Jugendliche von erwachsenen Patient:innen mit einer der oben genannten Erkrankungen.
Seit vielen Jahren ist in unserer Ambulanz bereits die hochspezialisierte klinische Abklärung und Therapie der Kardiomyopathien bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen etabliert.
Wir bieten individuelle therapeutische Ansätze und modernste Behandlungsverfahren. Ein Termin in unserer Spezialsprechstunde ist nach Voranmeldung in den Sprechzeiten unserer Ambulanz möglich.
Leitung: Prof. Dr. med. Sabine Klaassen
Empfehlungen zur Diagnose und Therapie
Beim Fachkongress der European Society of Cardiology (ESC) in Madrid wurden im August 2025 die neuen europäischen Leitlinien zur Behandlung von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen vorgestellt. In unserem Expertenvideo fasst Prof. Jeanette Schulz-Menger, Universitätsprofessorin an der Charité, die Leitlinien verständlich zusammen.
Forschung am DHZC
Am Deutschen Herzzentrum der Charité wird die Myokarditis umfassend erforscht, um ihre Ursachen, Verläufe und Behandlungsmöglichkeiten besser zu verstehen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf den Krankheitsmechanismen: Forschende untersuchen, wie Viren den Herzmuskel schädigen und warum das Immunsystem in manchen Fällen überreagiert und den eigenen Herzmuskel angreift. Dabei werden auch Gewebeproben aus dem Herzen analysiert, um die verschiedenen Entzündungsformen genauer zu unterscheiden und besser einordnen zu können.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die sogenannte translationale Forschung, bei der Erkenntnisse aus dem Labor direkt in die Behandlung von Patientinnen und Patienten übertragen werden. Moderne Verfahren wie die Herz-MRT und digitale Auswertungsmethoden, teilweise mithilfe von künstlicher Intelligenz, helfen dabei, die Erkrankung früher und genauer zu diagnostizieren. Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch die Magnetokardiographie (MKG), eine unkomplizierte und vollkommen ungefährliche Untersuchung des Herzens.
Gleichzeitig werden neue Therapieansätze erforscht, zum Beispiel der gezielte Einsatz von Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen, sowie Strategien zur Vorbeugung von Folgeschäden wie einer Kardiomyopathie.
Durch die enge Verbindung von Grundlagenforschung, moderner Diagnostik und klinischen Studien verfolgt das DHZC das Ziel, die Behandlung der Myokarditis stetig zu verbessern. Langfristig sollen Patientinnen und Patienten dadurch schneller eine genaue Diagnose erhalten und individuell angepasste Therapien bekommen, um schwere Verläufe zu vermeiden und die Heilungschancen zu erhöhen.

Myokarditis bei Kindern und Jugendlichen
Die Erforschung der Myokarditis bei Kindern und Jugendlichen spielt an unserer Klinik eine besondere Rolle. Ein Schwerpunkt liegt darauf zu verstehen, wie sich das noch wachsende Herz auf Entzündungen reagiert und warum manche Kinder einen milden Verlauf haben, während andere plötzlich schwer erkranken. Dazu werden klinische Daten, Krankheitsverläufe und auch Blut- und Gewebeproben untersucht, um altersabhängige Unterschiede besser zu verstehen und Risikofaktoren für schwere Verläufe frühzeitig zu erkennen.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Verbesserung der Diagnostik speziell für junge Patient:innen. Da Symptome bei Kindern oft unspezifisch sind, wird an schonenden Untersuchungsmethoden wie Herzultraschall und Herz-MRT geforscht, um die Erkrankung früh und sicher zu erkennen. Gleichzeitig spielen genetische Faktoren und das Immunsystem eine größere Rolle, weshalb auch untersucht wird, ob bestimmte Kinder ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe oder spätere Folgen wie eine Kardiomyopathie haben.
Darüber hinaus beteiligt sich das DHZC an klinischen Studien und wissenschaftlichen Projekten, um die Behandlung von Kindern und Jugendlichen weiter zu verbessern. Dabei wird zum Beispiel geprüft, wann Medikamente sinnvoll sind und wie sich körperliche Schonung optimal gestalten lässt. Ziel der Forschung ist es, altersgerechte Behandlungsstrategien zu entwickeln, die nicht nur die akute Erkrankung kontrollieren, sondern auch langfristige Schäden am Herzen verhindern.
Das MYKKE-Register
Bei der Erforschung der Myokarditis im Kindes- und Jugendalter spielt das MYKKE-Register eine wichtige Rolle. Dieses Register sammelt systematisch Daten von Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf Myokarditis aus verschiedenen Zentren. Erfasst werden unter anderem Symptome, Krankheitsverlauf, Untersuchungsergebnisse, Therapien und Langzeitfolgen. Dadurch entsteht eine große Datenbasis, die es ermöglicht, die Erkrankung in dieser Altersgruppe besser zu verstehen.
Mithilfe des MYKKE-Registers untersuchen Forschende, welche Faktoren einen milden oder schweren Verlauf beeinflussen und wie häufig Komplikationen auftreten. Besonders wichtig ist die Frage, welche Kinder ein erhöhtes Risiko für dauerhafte Herzschäden oder die Entwicklung einer Kardiomyopathie haben. Außerdem wird analysiert, welche diagnostischen Verfahren am zuverlässigsten sind und welche Therapien sich in der Praxis bewähren.
Die Ergebnisse aus dem Register helfen dabei, die Behandlung gezielter und altersgerechter zu gestalten. Langfristig soll so erreicht werden, dass betroffene Kinder schneller erkannt, besser überwacht und individuell behandelt werden können, um schwere Verläufe zu vermeiden und die Heilungschancen zu verbessern.
Das Register wurde 2013 gegründet und konnte bereits mehr als 1.000 Patient:innen prospektiv einschließen. Es beteiligen sich aktuell 29 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Ansprechpartnerin: PD Dr. Franziska Seidel





