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Leben ohne Stolpern

Nach Jahren mit Vorhofflimmern hat DHZC-Patient Volker Straub dank Ablation deutlich an Lebensqualität zurückgewonnen.

Wieder laufen, Sport treiben und ein Leben ohne ständiges „Stolpern“ im Herzen – für Volker Straub ist das heute Realität. Möglich gemacht hat das ein neuartiges Ablationsverfahren am DHZC.

Sein Herz macht sich schon mit Mitte 40 zum ersten Mal bemerkbar: ein gelegentliches „Stolpern“, das Volker Straub zunächst auf beruflichen Stress schiebt und ignoriert. Erst mit 52 Jahren wird bei ihm im Rahmen einer sportmedizinischen Untersuchung offiziell Vorhofflimmern diagnostiziert – verbunden mit dem dringenden Rat, die Erkrankung umgehend behandeln zu lassen. 

Doch der gebürtige Hesse fühlt sich topfit und kerngesund. Sein Vater ist noch im hohen Alter aktiv und beschwerdefrei, er selbst hat sein Leben lang Sport getrieben – Leichtathletik, Basketball, Radfahren, Skifahren. 

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal etwas am Herzen haben könnte“, sagt er rückblickend. Sein anspruchsvoller, aber auch erfüllender Job tut sein Übriges dazu, dass er die Diagnose zunächst verdrängt.

PD Dr. Abdul Shokor Parwani, Leiter der Elektrophysiologie am DHZC (rechts) mit seinem Patienten Volker Straub

Zwei Männer stehen auf einer Treppe. Der Mann links trägt ein karierter Hemd und Jeans, der Mann rechts ist im weißen Arztkittel. Beide lächeln in die Kamera und stehen vor einem architektonisch ansprechenden Hintergrund.
Zwei Männer stehen auf einer Treppe. Der Mann links trägt ein karierter Hemd und Jeans, der Mann rechts ist im weißen Arztkittel. Beide lächeln in die Kamera und stehen vor einem architektonisch ansprechenden Hintergrund.

PD Dr. Abdul Shokor Parwani, Leiter der Elektrophysiologie am DHZC (rechts) mit seinem Patienten Volker Straub

Doch die Krankheit lässt sich nicht vergessen: Über die Jahre werden die Phasen häufiger und halten länger an, bis irgendwann kaum noch ein Monat vergeht, in dem Volker Straub nicht mehrere Tage am Stück das Vorhofflimmern spürt. 

Die Folgen bleiben nicht aus – sein Herz pumpt unter dem anhaltenden Vorhofflimmern immer schlechter. 2022 wird eine Herzschwäche festgestellt, für die er Medikamente verschrieben bekommt. Zu einer Ablation kann er sich zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht durchringen.

Den entscheidenden Anstoß gibt schließlich ein Fernsehbericht über die Arbeit von PD Dr. Abdul Shokor Parwani, Leiter der Elektrophysiologie am DHZC. Dort wird die auf Elektroporation basierende PFA (Pulsed-Field-Ablation) vorgestellt – ein innovatives Ablationsverfahren, das effektiv, besonders gewebeschonend und zugleich sehr sicher ist.  

„Ich habe sehr gezögert, mich behandeln zu lassen, war skeptisch gegenüber Eingriffen“, erzählt Volker Straub. Doch die Methode und Dr. Parwani überzeugten ihn, und er vereinbart einen Termin.

Im Oktober 2023 führt Dr. Parwani die erste Ablation erfolgreich durch. Dazu schiebt er einen Katheter über die Blutgefäße in der Leiste bis zum linken Herzvorhof vor. Er verödet gezielt jene Areale des Herzgewebes um die Lungenvenen von denen die krankhaften elektrischen Impulse ausgehen, die das Vorhofflimmern auslösen. 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ablationsverfahren werden dabei weder Hitze noch Kälte eingesetzt, sondern kurze elektrische Impulse. Für Dr. Parwani liegt der Vorteil dieser Vorgehensweise auf der Hand: „Diese Impulse wirken am Ablationsort gezielt auf die Herzmuskelzellen, während das umliegende Gewebe intakt bleibt – eine sehr präzise und schonende Behandlungsmethode.“

Nach einem Jahr kehrt das „Stolpern“ bei Volker Straub zurück und wird erneut per Ablation behandelt. „Beim zweiten Eingriff haben wir uns systematisch auf die Suche nach Gewebe im Vorhof gemacht, das zusätzlich behandelt werden muss", erklärt Dr. Parwani. „Je später die Erkrankung behandelt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass neben den Lungenvenen weitere Bereiche des Vorhofs krankhafte elektrische Erregungen bilden und daher mitbehandelt werden müssen.“ 

Im November 2025 bemerkt Volker Straub das „Stolpern“ noch ein letztes Mal – doch bei der Untersuchung im DHZC wenige Tage später ist es bereits verschwunden. Seitdem ist es nicht wiedergekommen: Volker Straub ist sehr gut belastbar.

Dr. Parwani sieht bei diesem Thema auch einen Auftrag: „Wir wollen ein besseres Bewusstsein für Vorhofflimmern und die sehr effektiven Behandlungsmöglichkeiten schaffen. Denn wenn die Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt, wird die kardiologische Ursache oft nicht erkannt.“ 

Das gilt besonders angesichts einer alternden Bevölkerung: Denn ab einem Alter von 70 bis 80 Jahren steigt das Risiko für Vorhofflimmern deutlich.

Dr. Parwani leitet eine internationale Studie (CABA-HFPEF-DZHK27 Studie) mit 72 teilnehmenden Zentren zur Ablation bei Patient:innen mit Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz bei erhaltener Pumpfunktion (HFpEF). Hintergrund: Bei älteren Patient:innen mit dieser Form der Herzschwäche tritt in rund 40 bis 60 Prozent der Fälle zusätzlich Vorhofflimmern auf – und die Lebensqualität und Lebenserwartung verschlechtert sich erheblich. Zurzeit werden noch Patient:innen in die Studie eingeschlossen.

„Ich rate Betroffenen von Vorhofflimmern, nicht zu lange zu warten, denn die Krankheit ist fortschreitend“, sagt Dr. Parwani. „Je früher eine Beratung erfolgt, desto mehr Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung.“

Volker Straub hat aus seinem eigenen Zögern Konsequenzen gezogen: Er engagiert sich heute als Patientenvertreter für die gesundheitliche Aufklärung anderer Betroffener. 

„Ich bin froh, dass ich mich schließlich für die Ablation entschieden habe – jetzt bin ich fitter und kann wieder unbeschwert Sport machen, inklusive Lauf- und Krafttraining“, sagt er. 

Wir wünschen Volker Straub weiterhin alles Gute!