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Leben mit einem Kunstherz

Kleine Pumpe, neue Lebenszeit: 750. Patient erhält HeartMate 3-System am DHZC

Das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) hat dem 750. Patienten ein „HeartMate 3“-System eingesetzt. Die Herzpumpe ist das derzeit modernste und weltweit mit Abstand am häufigsten eingesetzte implantierbare System zur langfristigen Unterstützung der linken Herzkammer. 

Damit erreicht das DHZC einen weiteren Meilenstein seines Kunstherzprogramms: Insgesamt wurden am Zentrum bereits mehr als 3.200 langfristige Kreislaufunterstützungssysteme verschiedener Typen eingesetzt.

Das DHZC betreibt damit Europas nach Fallzahlen größtes Kunstherzprogramm und hat die Entwicklung dieser Therapie über Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt. Für Menschen mit Herzschwäche im Endstadium, denen nach Ausschöpfung anderer Therapien sonst nur eine Herztransplantation bliebe, können die Pumpen die Wartezeit auf ein Spenderherz überbrücken oder eine langfristige Alternative zur Transplantation bieten.

Neue ESC-Leitlinie mit Klasse-I-Empfehlung. Auch die beim ESC-Jahreskongress am 28. August 2026 in München vorgestellte neue Herzinsuffizienz-Leitlinie empfiehlt jetzt die dauerhafte Unterstützung der linken Herzkammer (LVAD) für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Ziel ist, das Sterberisiko zu senken und Beschwerden zu lindern. Die Empfehlung gilt sowohl zur Überbrückung der Wartezeit auf ein Spenderorgan als auch zur dauerhaften Therapie.

„Die Entwicklung der künstlichen Herzunterstützung ist eng mit der Geschichte unseres Zentrums verbunden. Unsere Teams haben über Jahrzehnte dazu beigetragen, aus einer Behandlung zur kurzfristigen Überbrückung eine langfristige Perspektive für viele Menschen zu machen“, sagt Prof. Dr. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZC.

Prof. Dr. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZC

„Die Implantation des HeartMate 3 bei unserem 750. Patienten steht für diese Erfahrung und für das Zusammenspiel von Medizin, Pflege und Technik. Unser Anspruch ist, diese Therapie weiterzuentwickeln und für jeden Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche die bestmögliche Behandlung zu finden.“

Zwei Menschen zeigen, was die Therapie ermöglicht. Pamela J., 44 Jahre alt und Mutter eines Sohnes, erhielt 2014 als erste Patientin am damaligen Deutschen Herzzentrum Berlin ein HeartMate 3. Sie lebt seit mehr als zwölf Jahren gut damit. Thomas F., 66 Jahre alt und dreifacher Großvater, erhielt nach einem schweren Herzinfarkt als 750. Patient ein HeartMate 3 an unserem Zentrum.

Fortschritte und bleibende Herausforderungen. Moderne Herzpumpen ermöglichen vielen Betroffenen ein Leben außerhalb der Klinik. Infektionen, Blutungen und Schlaganfälle bleiben jedoch erhebliche Risiken. Neben der Weiterentwicklung der Geräte sind die Vorbereitung auf den Eingriff, Schulungen der Betroffenen und ihrer Angehörigen sowie eine verlässliche Nachsorge entscheidend. Am DHZC gehören dazu eine eigene VAD-Ambulanz und eine rund um die Uhr erreichbare Hotline.

„Dass wir Menschen heute über viele Jahre mit einer Herzpumpe begleiten können, ist ein großer Fortschritt. Darauf können alle stolz sein, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir müssen die Systeme selbst ebenso wie die Vorbereitung auf den Eingriff und die lebenslange Nachsorge kontinuierlich verbessern“, sagt Prof. Dr. Evgenij Potapov, Leiter des Kunstherzprogramms am DHZC.

„Entscheidend ist, Komplikationen weiter zu verringern und den Patientinnen und Patienten möglichst viel Lebensqualität und Selbstständigkeit zu ermöglichen.“

Hintergrund und Patientengeschichten

Pamela J.: Mehr als zwölf Jahre mit der Herzpumpe

Im März 2014 kommt Pamela J.s Sohn Linus zur Welt. Etwa in dieser Zeit beginnen ihre Herzbeschwerden. Erst im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass ihre Herzerkrankung genetisch bedingt ist. Für die gelernte Erzieherin beginnt wenige Monate nach der Geburt ihres Kindes ein Leben mit einer schweren Erkrankung – und schließlich mit einer technischen Unterstützung, von der ihr Kreislauf dauerhaft abhängt.

Im August 2014 erhält sie am damaligen Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) ein HeartMate 3-System. Sie ist die erste Patientin des Zentrums und gehört zu den ersten Menschen weltweit, denen diese Pumpe eingesetzt wird.

Heute ist Pamela J. 44 Jahre alt und lebt in Hennigsdorf. Mehr als zwölf Jahre nach der Implantation lebt sie weiterhin gut mit dem System. Ihr Sohn, der zum Zeitpunkt der Operation noch ein Säugling war, ist inzwischen zwölf Jahre alt. Die Herzpumpe hat sie durch diese Zeit begleitet.

Ihre Geschichte macht deutlich, welche Zeiträume mit moderner Herzunterstützung möglich geworden sind. Zugleich bleibt sie eine individuelle Erfahrung: Wie lange und wie gut ein Mensch mit einem Unterstützungssystem leben kann, hängt auch von seiner Grunderkrankung, möglichen Begleiterkrankungen und dem weiteren Behandlungsverlauf ab.

Pamela J. erhielt 2014 als erste Patientin am damaligen Deutschen Herzzentrum Berlin ein HeartMate 3. Thomas F. erhielt als 750. Patient ein HeartMate 3 an unserem Zentrum. 

Das Bild zeigt zwei Personen, eine Frau und einen Mann, die auf einer Galerie in einem Innenraum stehen. Sie lächeln und sind dicht beieinander. Im Hintergrund sind architektonische Elemente und etwas Kunst zu sehen.
Thomas F.: Vom lebensbedrohlichen Notfall zur langfristigen Unterstützung

Bei Thomas F. (66) aus Berlin führt im Juli 2026 ein schwerer Herzinfarkt in eine akute lebensbedrohliche Situation. Seine Symptome werden zunächst nicht richtig gedeutet. Deshalb kommt er erst spät ins Krankenhaus – zu einem Zeitpunkt, an dem sein Leben bereits unmittelbar bedroht ist.

Sein Kreislauf wird mithilfe einer sogenannten ECMO stabilisiert. Anschließend wird er ins DHZC geflogen.

Die Abkürzung ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung: Blut wird durch ein außerhalb des Körpers arbeitendes System geleitet und dort mit Sauerstoff angereichert. In einer für die Kreislaufunterstützung ausgelegten Konfiguration kann die Maschine auch die Pumpfunktion des versagenden Herzens vorübergehend unterstützen. Solche Verfahren dienen dazu, Menschen in einer akuten Krise zu stabilisieren und Zeit für die weitere Behandlung zu gewinnen. Sie unterscheiden sich von einem dauerhaft implantierten Herzunterstützungssystem.

Bei Thomas F. wird schließlich eine langfristige Herzunterstützung notwendig. Am 19. August 2026 wird ihm ein HeartMate 3 implantiert – er ist der 750. Patient an unserem Zentrum, dem ein LVAD dieses Typs eingesetzt wird.

Nun beginnt für den 66-Jährigen die Zeit, in der er sich von der schweren Erkrankung erholen und mit der Herzpumpe vertraut werden muss. Wieder fitter zu werden, hat für ihn auch ein sehr persönliches Ziel: Thomas F. hat drei Enkelkinder.

Neue ESC-Leitlinie stärkt die langfristige Herzunterstützung

Die beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) am 28. August 2026 in München vorgestellte neue Leitlinie zur Herzinsuffizienz stärkt den Stellenwert dieser Behandlung: Die langfristige mechanische Kreislaufunterstützung mit einem linksventrikulären Unterstützungssystem (LVAD) erhält jetzt eine Klasse-I-Empfehlung. Sie wird für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz und reduzierter Pumpfunktion empfohlen, wenn die leitliniengerechte medikamentöse Behandlung sowie weitere mögliche Therapieoptionen nicht ausreichen. Ziel ist, das Sterberisiko zu senken und die Beschwerden zu lindern.

Die Empfehlung umfasst sowohl die Überbrückung bis zu einer Herztransplantation bis zur Transplantationseignung oder bis zu einer möglichen Erholung des eigenen Herzens als auch die dauerhafte Therapie. Klasse I ist die stärkste positive Empfehlungskategorie der ESC; die Leitlinie weist für diese Empfehlung den Evidenzgrad C aus. Die Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten bleibt entscheidend.

Was ein „Kunstherz“ genau macht

Der Begriff „Kunstherz“ lässt zunächst an ein vollständig künstliches Organ denken, das an die Stelle des natürlichen Herzens tritt. Im klinischen Alltag sind damit jedoch meist Herzunterstützungssysteme gemeint, sogenannte Ventricular Assist Devices, kurz VAD. Das erkrankte Herz bleibt dabei im Körper. Eine mechanische Pumpe übernimmt einen Teil seiner Arbeit und hilft, den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten.

Je nach Erkrankung kann die linke, die rechte oder sogar beide Herzkammern unterstützt werden. Besonders häufig werden Systeme zur Unterstützung der linken Herzkammer eingesetzt. Sie heißen Left Ventricular Assist Devices, kurz LVAD. Die linke Herzkammer hat die Aufgabe, sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf zu pumpen. Reicht ihre Kraft dafür nicht mehr aus, kann eine zusätzliche Pumpe diese lebenswichtige Funktion unterstützen.

HeartMate 3: Das derzeit meistgenutzte System

Das HeartMate 3 aus den USA ist ein solches LVAD und derzeit das weltweit mit Abstand am häufigsten eingesetzte implantierbare System zur langfristigen Unterstützung der linken Herzkammer. Auch am DHZC ist es das überwiegend verwendete System. Bei den Implantationen dieses Typs steht das Zentrum weltweit an zweiter Stelle.

Eine Hand hält ein medizinisches Gerät, das aus einem runden, flachen Teil mit einem Metallrohr in der Mitte besteht. Um das Gerät verläuft ein flexibles, weißes Schlauchband. Der Hintergrund ist hell und schlicht.

Die Pumpe wird direkt am Herzen implantiert. Sie nimmt Blut aus der linken Herzkammer auf und befördert es über eine Gefäßprothese in die Hauptschlagader. Eine durch die Haut geführte Leitung verbindet sie mit einer äußeren Steuereinheit und der Stromversorgung. Mit einem Satz Akkus können sich die Patient:innen den ganzen Tag (bis zu 16 Stunden) frei bewegen.

Im Inneren der Pumpe dreht sich ein vollständig magnetisch gelagerter Rotor. Er schwebt in einem Magnetfeld und benötigt deshalb kein mechanisches Lager. Zusammen mit großzügigen Abständen zwischen Rotor und Gehäusewandung soll diese Konstruktion die Belastung der Blutzellen und die Bildung von Gerinnseln verringern. Zusätzlich verändert die Pumpe regelmäßig ihre Drehzahl und erzeugt dadurch einen künstlichen Puls, der die Durchspülung der Pumpe unterstützt.

International wird an weiteren Systemen gearbeitet. In China sind bereits zusätzliche implantierbare Herzpumpen zugelassen, darunter das ebenfalls vollständig magnetisch gelagerte CH-VAD. Das darauf aufbauende BrioVAD wird in einer US-amerikanischen Studie direkt mit dem HeartMate 3 verglichen. Sicherheit und langfristiger Nutzen dieser weiteren Systeme werden wissenschaftlich untersucht.

Das vollständige künstliche Herz: Eine selten eingesetzte Sonderlösung

Von einem VAD zu unterscheiden ist das Total Artificial Heart, kurz TAH, also ein vollständiges künstliches Herz. Hier werden die natürlichen Herzkammern durch ein künstliches System ersetzt. Die künstlichen Pumpkammern übernehmen sowohl die Versorgung des Lungenkreislaufs als auch die des Körperkreislaufs.

Ein TAH kann für ausgewählte Menschen infrage kommen, bei denen das Herz strukturelle Schäden aufweist oder die Funktion beider Herzkammern so schwer geschädigt ist, dass eine andere Unterstützung nicht ausreicht. Es wird insbesondere zur Überbrückung bis zu einer Herztransplantation eingesetzt. Der Eingriff unterscheidet sich grundlegend von der Implantation eines LVAD, bei der das natürliche Herz erhalten bleibt.

Gemessen an den Implantationszahlen spielen künstliche Herzen gegenüber VAD-Systemen bislang eine sehr kleine Rolle. Die langfristige mechanische Kreislaufunterstützung wird ganz überwiegend durch Unterstützungssysteme getragen, insbesondere durch LVAD. Das TAH bleibt eine Sonderlösung für bestimmte Erkrankungssituationen. Dies zeigen auch die Daten des großen nordamerikanischen Intermacs-Registers.

Unsere Patient:innen Pamela J. und Thomas F. leben mit einem Herzunterstützungssystem. Ihr eigenes Herz ist weiterhin vorhanden.

Wann Herzunterstützungssysteme eingesetzt werden

Eine mechanische Herzunterstützung kommt insbesondere für Patient:innen mit Herzschwäche im Endstadium in Betracht, wenn alle anderen geeigneten Behandlungsformen bereits ausgeschöpft wurden.

Dabei kann die Therapie unterschiedliche Ziele haben. Ein VAD kann die Wartezeit auf ein Spenderherz überbrücken. Es kann aber auch eine langfristige Behandlung ermöglichen, wenn eine Herztransplantation nicht infrage kommt. Bei einem Teil der Betroffenen kann sich das eigene Herz unter der Entlastung so weit erholen, dass eine Entfernung des Unterstützungssystems möglich wird. Ob dies gelingt, muss sorgfältig untersucht werden.

Die Entscheidung für ein VAD erfordert eine umfassende Untersuchung und Beratung. Neben der Herzfunktion spielen der Zustand anderer Organe, Begleiterkrankungen und die persönliche Lebenssituation eine Rolle. Ein spezialisiertes Team bespricht mit den Betroffenen die erwartbaren Vorteile, die Risiken und die Anforderungen der Behandlung.

Entwicklung: Vom großen Antrieb zur kleinen Herzpumpe

Frühe Kunstherzsysteme benötigten äußere Antriebseinheiten von der Größe eines Kühlschranks. Die Behandlung war damit eng an die Klinik gebunden. Kleinere Pumpen, mobile Antriebe und tragbare Stromversorgungen veränderten die Perspektive: Aus einer Überbrückung auf der Intensivstation konnte eine Therapie werden, mit der Menschen nach Hause zurückkehren.

Auch das technische Prinzip entwickelte sich weiter. Frühe Systeme bewegten das Blut häufig mithilfe von Pumpkammern und Membranen in einzelnen Schüben. Viele moderne implantierbare Systeme arbeiten dagegen mit einem rotierenden Laufrad, das einen weitgehend kontinuierlichen Blutstrom erzeugt. Diese Entwicklung ermöglichte deutlich kleinere Pumpen.

Berlin gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigen Standorten dieser Forschung. Zu ihren Wegbereitern zählt der Herzchirurg Emil Bücherl, dessen Arbeitsgruppe am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin an einem künstlichen Herzen arbeitete. Mit der Gründung des Deutschen Herzzentrums Berlin im Jahr 1986 wurde diese Arbeit dort fortgesetzt. Am 20. Juli 1987 implantierte Roland Hetzer am DHZB ein von Bücherls Arbeitsgruppe entwickeltes künstliches Herz. In den folgenden Jahrzehnten prägte das Zentrum die klinische Anwendung und Weiterentwicklung mechanischer Kreislaufunterstützung mit.

Aus dem Umfeld des DHZB ging auch das heutige Unternehmen Berlin Heart hervor. 1996 gründeten das Zentrum und private Investoren dessen Vorgängerunternehmen Mediport Kardiotechnik. Zu den weiteren Entwicklungsschritten gehörte das implantierbare Linksherzunterstützungssystem INCOR, das 2002 erstmals im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt wurde.

Das Zentrum leistete zudem wichtige Beiträge zur Frage, wann ein Unterstützungssystem wieder entfernt werden kann. 1995 berichteten das DHZB und das Max Delbrück Center über einen Patienten, dessen schwer geschädigtes Herz sich nach 160 Tagen mechanischer Entlastung so weit erholt hatte, dass er ohne Herztransplantation und ohne die Pumpe weiterleben konnte. Die gezielte Untersuchung einer möglichen Erholung des Herzmuskels blieb ein Schwerpunkt des Berliner Programms.

Mit der frühen Anwendung des HeartMate 3 im Jahr 2014 setzte das damalige DHZB diese Entwicklung fort. Die Implantation dieses Systems bei dem 750. Patienten steht für die langjährige Erfahrung des heutigen DHZC.

Unsere Patient:innen Pamela J. und Thomas F. mit einem Teil des interdisziplinären Behandlungteams am DHZC, das auf die Versorgung von Kunstherz-Patient:innen spezialisiert ist.

Eine Gruppe von vier männlichen und drei weiblichen Personen steht auf einer Treppe in einem hellen Gebäude. Einige tragen medizinische Kleidung, darunter grüne und blaue Scrubs. Im Hintergrund ist ein Kunstwerk und eine Treppe mit einem Geländer sichtbar.
Was die Herzpumpe im Alltag ermöglicht – und verlangt

Mit einer dauerhaft implantierten Herzpumpe erhalten die Patient:innen die Chance auf (mitunter viele) weitere Jahre Lebenszeit ohne die Einschränkungen, die ihre Herzerkrankung oft seit Jahren mit sich gebracht hat. Zugleich verlangt das VAD mehr Aufmerksamkeit, Übung und verlässliche Routinen:

Die Stromversorgung muss jederzeit gesichert sein. Steuereinheit und Akkus werden mitgeführt, Batteriestände kontrolliert und Ersatzmaterialien eingeplant. Besondere Aufmerksamkeit benötigt die sogenannte Driveline, die Verbindungsleitung zwischen der implantierten Pumpe und der äußeren Steuereinheit. Ihre Austrittsstelle aus dem Körper muss dauerhaft mit einem sterilen Verband abgedeckt bleiben und sorgfältig versorgt werden, um Infektionen vorzubeugen.

Am DHZC werden Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrem Herzunterstützungssystem umfassend geschult. Sie lernen, die Austrittsstelle zu versorgen, die Stromversorgung sicherzustellen, Hinweise des Systems zu verstehen und bei Problemen richtig zu reagieren. Auch Angehörige werden in diese Schulungen einbezogen. 

Die Therapie hat Grenzen: Baden und Schwimmen sind mit einem solchen System nicht möglich. Duschen erfordert geeignete Schutzmaßnahmen und eine entsprechende Einweisung. Obwohl auch sportliche Aktivitäten wieder möglich und förderlich sind, sind Kontaktsportarten wie Karate und andere Kampfsportarten und solche, bei denen der Körper hohen Belastungen ausgesetzt ist, unbedingt zu vermeiden.

Trotz aller Fortschritte bleiben schwerwiegende Risiken. Dazu zählen Infektionen, Blutungen und Blutgerinnsel, die unter anderem Schlaganfälle verursachen können. Eine technisch zuverlässige Pumpe allein genügt deshalb nicht: Zur Behandlung gehört eine spezialisierte Versorgung. Hinzu kommen die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente und regelmäßige medizinische Kontrollen.

Am DHZC werden die Betroffenen in einer eigenen VAD-Ambulanz nachbetreut. Für medizinische und technische Fragen steht eine VAD-Hotline rund um die Uhr zur Verfügung. Die langfristige Begleitung ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Kunstherzprogramms.

Berliner Erfahrung im internationalen Einsatz

Die Erfahrung des DHZC kommt auch Patientinnen und Patienten anderer Zentren zugute. Mitglieder der Teams begleiten international Implantationen an anderen Kliniken als sogenannte Proctors: Sie unterstützen die dortigen Behandlungsteams vor Ort, geben praktische Anleitung und helfen dabei, Erfahrung mit den Systemen aufzubauen.

Zum Wissenstransfer gehört außerdem, Menschen außerhalb der spezialisierten Herzmedizin auf Begegnungen mit Kunstherzpatientinnen und -patienten vorzubereiten. Seit Langem schulen die Teams des Zentrums auch Behörden wie die Bundespolizei im Umgang mit Betroffenen und ihrer mitgeführten Technik. Dieses Wissen hilft beispielsweise dabei, die besonderen Anforderungen bei Sicherheitskontrollen zu berücksichtigen.

Herzunterstützung als Teil einer umfassenden Versorgung

Das Kunstherzprogramm ist am DHZC in die Behandlung von Herzschwäche in allen Krankheitsstadien eingebettet. Das Zentrum ist als überregionales Herzinsuffizienzzentrum zertifiziert. Es betreut Menschen mit neu diagnostizierter Herzschwäche ebenso wie Patientinnen und Patienten mit langjährigen, komplexen Erkrankungsverläufen.

Je nach Befund reicht das Behandlungsspektrum von Medikamenten über kathetergestützte und operative Verfahren bis zur mechanischen Kreislaufunterstützung oder Herztransplantation. Für Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche ist eine rechtzeitige spezialisierte Beurteilung wichtig, damit die verfügbaren Möglichkeiten gemeinsam geprüft werden können.

Die nächsten Fortschritte müssen sich daran messen lassen, ob sie das Leben der Betroffenen sicherer und einfacher machen: weniger Infektionen, Blutungen und Schlaganfälle, eine leichtere Versorgung und mehr Bewegungsfreiheit. Kleinere Geräte sind dabei nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig sind die Auswahl der passenden Therapie, die Begleitung vor und nach der Operation und ein besseres Verständnis dafür, wann sich ein geschädigtes Herz wieder erholen kann.

Die Erfahrung mit langfristiger Unterstützung bedeutet zugleich nicht, dass Herztransplantationen überflüssig geworden sind. Welche Behandlung die beste Perspektive bietet, bleibt eine individuelle medizinische Entscheidung.

Für Pamela J. lässt sich die gewonnene Zeit inzwischen in mehr als zwölf Lebensjahren ausdrücken, in denen ihr Sohn aufgewachsen ist. Für Thomas F. beginnt nach dem schweren Herzinfarkt ein neuer Abschnitt mit der Herzpumpe – und mit dem Wunsch, für seine drei Enkelkinder wieder fitter zu werden.

Weitere Informationen:

Kunstherzprogramm am DHZC

Herzinsuffizienz-Zentrum am DHZC