Skip to main content

Künstliche Intelligenz für die Herzgesundheit

DHZC-Institut ICM übernimmt federführende Rolle im europäischen KI-Projekt CHAIN

Kardiovaskuläre Erkrankungen betreffen in der Europäischen Union rund 62 Millionen Menschen und verursachen jährlich etwa 1,7 Millionen Todesfälle. Der im Dezember 2025 verabschiedete EU Safe Hearts Plan zielt darauf ab, die vorzeitige Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2035 um 25 Prozent zu senken und betont dabei digitale Innovation und KI-Integration als zentrale Hebel.

Bislang kommen KI-Anwendungen in der medizinischen Versorgung jedoch uneinheitlich zum Einsatz. Zudem fehlen vielfach gemeinsame Standards, um ihre Leistungsfähigkeit und Sicherheit zuverlässig zu bewerten. Genau hier setzt das europäische Flagship-Projekt CHAIN (European Cardiovascular Health Data and AI Network) an. Das Institut für kardiovaskuläre Computer-assistierte Medizin (ICM) am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) übernimmt eine federführende Rolle im Projekt.

CHAIN wird von der European Society of Cardiology (ESC) koordiniert und bringt 53 Partner aus 20 Ländern zusammen (Bild: European Society of Cardiology / CHAIN Consortium).

Eine große Gruppe von Menschen steht im Freien vor einem modernen Gebäude, umgeben von Pflanzen. In der Mitte steht eine rote Skulptur. Alle Personen lächeln und präsentieren sich für das Foto, wodurch eine freundliche Atmosphäre entsteht.
Eine große Gruppe von Menschen steht im Freien vor einem modernen Gebäude, umgeben von Pflanzen. In der Mitte steht eine rote Skulptur. Alle Personen lächeln und präsentieren sich für das Foto, wodurch eine freundliche Atmosphäre entsteht.

CHAIN wird von der European Society of Cardiology (ESC) koordiniert und bringt 53 Partner aus 20 Ländern zusammen (Bild: European Society of Cardiology / CHAIN Consortium).

Mit 20 Millionen Euro aus dem EU4Health-Programm soll in den kommenden drei Jahren eine europäische Infrastruktur entstehen, die den sicheren und verlässlichen Einsatz von KI in der kardiovaskulären Versorgung voranbringt. Ziel ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere chronische Erkrankungen früher zu erkennen und besser zu behandeln. 

Eine zentrale Rolle im Konsortium übernimmt die Arbeitsgruppe Systemmedizin am ICM unter der Leitung von Dr. Marcus Kelm. Sie bringt bereits weit entwickelte, validierte KI-Modelle in zwei Anwendungsbereiche des Projekts ein: die Rechtsherzinsuffizienz bei angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen sowie die Früherkennung einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF). Die Modelle sollen im Rahmen von CHAIN weiter in den europäischen Verbund integriert und im Hinblick auf ihren Einsatz in der klinischen Versorgung untersucht werden.

„Die Frage ist nicht mehr, ob KI in der Kardiologie funktioniert – entscheidend ist, wie wir sie sicher, nachvollziehbar und im klinischen Alltag nutzbar machen“, sagt Dr. Marcus Kelm. „CHAIN schafft dafür einen gemeinsamen europäischen Rahmen. Dazu gehört, KI-Modelle nicht nur zu entwickeln, sondern ihre Leistungsfähigkeit systematisch zu prüfen und ihre Einsatzmöglichkeiten klar zu beschreiben.“

Prof. Titus Kühne (links) und Dr. Marcus Kelm stellen die am ICM entwickelten KI-Modelle und die Strategie der Integration bei CHAIN beim Auftakttreffen des Projekts in Sophia Antipolis / Frankreich vor (Bild: European Society of Cardiology / CHAIN Consortium).

Zwei Männer stehen vor einem Bildschirm, auf dem textbasierte Informationen präsentiert werden. Der Mann links spricht, während der Mann rechts Notizen macht. Beide scheinen an einer medizinischen Präsentation oder Konferenz teilzunehmen, die sich mit kardiovaskulären Themen befasst.
Zwei Männer stehen vor einem Bildschirm, auf dem textbasierte Informationen präsentiert werden. Der Mann links spricht, während der Mann rechts Notizen macht. Beide scheinen an einer medizinischen Präsentation oder Konferenz teilzunehmen, die sich mit kardiovaskulären Themen befasst.

Prof. Titus Kühne (links) und Dr. Marcus Kelm stellen die am ICM entwickelten KI-Modelle und die Strategie der Integration bei CHAIN beim Auftakttreffen des Projekts in Sophia Antipolis / Frankreich vor (Bild: European Society of Cardiology / CHAIN Consortium).

Darüber hinaus ist das ICM unter der Leitung von Prof. Titus Kühne klinischer Partner für bildgebungsbasierte KI-Modelle im Projekt CHAIN. Routinemäßige bildgebende Untersuchungen, etwa der Herzultraschall oder CT-Aufnahmen des Brustkorbs, können Hinweise auf bislang unerkannte Erkrankungen liefern. KI-gestützte Verfahren sollen helfen, solche Hinweise in den vorhandenen Bilddaten besser zu erkennen und für eine frühzeitigere Diagnostik zu nutzen.

„Die Routinebildgebung liefert heute schon mehr Informationen, als wir klinisch vollständig nutzen“, sagt Prof. Titus Kühne. „Als klinischer Partner für die bildgebungsbasierten Modelle in CHAIN wollen wir dazu beitragen, diese Informationen besser zu erschließen und mögliche frühe Erkrankungsmarker zu erkennen. Langfristig könnte daraus eine frühere und stärker personalisierte Diagnostik entstehen.“

Damit KI-Anwendungen in der Versorgung vertrauenswürdig eingesetzt werden können, reicht es nicht, dass sie in einzelnen Studien gute Ergebnisse zeigen. CHAIN entwickelt deshalb auch gemeinsame Verfahren zur Bewertung sowie eine europäische Sammlung validierter KI-Lösungen.

Eine Person spricht mit einer anderen in einem Innenraum. Im Hintergrund steht ein Banner mit dem Text "CHAIN - Trustworthy AI Safer hearts", das eine europäische Initiative für sichere KI-Anwendungen beschreibt. Das Banner enthält Informationen zu Partnern und finanzieller Förderung.
Eine Person spricht mit einer anderen in einem Innenraum. Im Hintergrund steht ein Banner mit dem Text "CHAIN - Trustworthy AI Safer hearts", das eine europäische Initiative für sichere KI-Anwendungen beschreibt. Das Banner enthält Informationen zu Partnern und finanzieller Förderung.

Damit KI-Anwendungen in der Versorgung vertrauenswürdig eingesetzt werden können, reicht es nicht, dass sie in einzelnen Studien gute Ergebnisse zeigen. CHAIN entwickelt deshalb auch gemeinsame Verfahren zur Bewertung sowie eine europäische Sammlung validierter KI-Lösungen.

Begleitende „KI-Pässe“ sollen dokumentieren, wie gut ein Modell funktioniert, wie sicher es ist und für welche klinischen Situationen es sich eignet. Das soll Ärzt:innen, Kliniken und Gesundheitsbehörden dabei helfen, fundiert zu entscheiden, welche Anwendungen einen tatsächlichen Nutzen bieten.

Mehr Informationen zum Projekt CHAIN gibt es unter https://www.chain-flagship.eu/. 

Über das ICM

Das Institut für kardiovaskuläre Computer-assistierte Medizin (ICM) am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) verbindet medizinische Expertise mit computergestützten und datenbasierten Verfahren, um neue Ansätze für die Diagnostik und Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln und klinisch zu untersuchen. Es wurde 2017 gegründet und entwickelt modernste digitale Lösungen für die Medizin. Mehr Informationen unter https://icm.dhzc.charite.de/.