Förderung für Forschung zu erblicher Herzmuskelerkrankung
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die weltweit häufigste genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung. Während manche Betroffene über viele Jahre beschwerdefrei bleiben, entwickeln andere eine Herzschwäche oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Warum die Erkrankung so unterschiedlich verläuft, ist bislang nicht ausreichend verstanden. Genau hier setzt die Forschung von PD Dr. Niklas Beyhoff an, dessen Projekt nun von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung über drei Jahre mit rund 265.000 Euro gefördert wird.
Gestörter Herzstoffwechsel als Schlüssel
Störungen des Herzstoffwechsels gelten seit Langem als ein zentrales Merkmal der HCM. Welche Rolle sie jedoch für die Entstehung und den individuellen Krankheitsverlauf spielen, ist bislang weitgehend ungeklärt.
Das geförderte Projekt untersucht deshalb systematisch, wie sich der Herzstoffwechsel bei HCM verändert und welche Bedeutung diese Veränderungen für die Krankheitsausprägung haben. Mithilfe molekularer Analysen von Herzmuskelgewebe sollen gestörte Stoffwechselprozesse identifiziert und daraus neue Ansätze für Diagnostik und Therapie abgeleitet werden.
PD Dr. Niklas Beyhoff forscht zur hypertrophen Kardiomyopathie

Digitale Zwillinge für individuelle Vorhersagen
Ein zentrales Element des Projekts sind personalisierte Computermodelle des Herzstoffwechsels, sogenannte digitale Zwillinge. Grundlage hierfür ist das individuelle Proteinprofil aus Herzmuskelproben, aus dem der Stoffwechsel jedes einzelnen Herzens computergestützt rekonstruiert wird. Die Modelle ermöglichen es, die Energieproduktion des Herzens zu simulieren, krankheitsrelevante Stoffwechselveränderungen zu identifizieren und potenzielle therapeutische Angriffspunkte zu untersuchen.
Die zugrunde liegende Methodik hat das Team bereits zuvor erfolgreich zur Rekonstruktion des Herzstoffwechsels bei Patient:innen mit Herzschwäche eingesetzt. Die entsprechenden Vorarbeiten wurden kürzlich im European Journal of Heart Failure veröffentlicht und mit einem ESC Young Investigator Award der European Society of Cardiology sowie als „DZHK Paper of the Month“ ausgezeichnet.
Interdisziplinäre Forschung
„Ich freue mich sehr über die großzügige Förderung durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Sie ermöglicht es, neue Wege zu erforschen, wie Veränderungen des Herzstoffwechsels zur unterschiedlichen Ausprägung der HCM beitragen. Langfristig möchten wir damit die Grundlage für präzisere Diagnostik und individuellere Therapien schaffen“, sagt PD Dr. Niklas Beyhoff.
Der BIH Charité Clinician Scientist absolvierte einen zweijährigen Forschungsaufenthalt an der University of Oxford und befindet sich derzeit im letzten Jahr seiner Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am DHZC, wo er sich auf die kardiale Bildgebung spezialisiert.
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit Forschenden der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Wir gratulieren PD Dr. Niklas Beyhoff herzlich zur Förderung und wünschen ihm viel Erfolg bei der Umsetzung seiner Forschung.