Bühne frei für die Frauenherzmedizin
Frauenherzmedizin entwickelt sich weiter – das wurde auch beim ESC Congress deutlich.
In München ging es um ganz unterschiedliche Fragen: Wie lassen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser erkennen? Was kann künstliche Intelligenz dazu beitragen? Wo braucht es noch mehr Forschung – und wie müssen sich Versorgungsstrukturen verändern?
Mittendrin: unsere Kollegin Dr. Julia Lueg (2. von links auf dem Foto), Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie am DHZC. Sie hat als Expertin und Moderatorin verschiedene Formate zu Frauenherzthemen mitgestaltet.

Besonders beeindruckt hat sie die Veranstaltung RISE @ ESC Congress, die sie in diesem Jahr „hochoffiziell“ als „Master of ceremonies“ moderierte. RISE ist eine Initiative, die Frauen in der Kardiologie vernetzt und bei ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt. „Bei RISE wird klar, wie stark die internationale Gemeinschaft der Frauen in der Kardiologie inzwischen ist“, sagt sie.

Was nimmt Dr. Julia Lueg aus München mit?
Frauenherzmedizin wird sichtbarer und strukturierter.
Beim ESC wurden erste Erfahrungen mit dem Aufbau größerer Frauenherzzentren vorgestellt. Julia Lueg sieht hier interessante Anknüpfungspunkte für das DHZC: „So könnten wir unsere Angebote zur Schwangerschaft, zur Menopause und zur geschlechterspezifischen Prävention noch stärker bündeln.“
KI könnte neue Möglichkeiten für die Diagnostik eröffnen.
Neue Analysen zeigen, dass künstliche Intelligenz Mammographien auch mit Blick auf das kardiovaskuläre Risiko auswerten kann. „Viele Frauen nehmen diese Untersuchung wahr. Mithilfe von KI könnte hier ein sinnvolles Zusatzangebot für die Herzgesundheit geschaffen werden“, sagt Julia Lueg.
Bei der Hormonersatztherapie fehlen weiterhin wichtige Daten.
Welche Frauen tatsächlich von einer Hormonersatztherapie in der Menopause profitieren könnten und welche individuellen Faktoren dabei berücksichtigt werden müssen, lässt sich bisher nicht zuverlässig beurteilen. „Bisher fehlen weiterhin fundierte Daten, um differenzierte Empfehlungen für die Patientinnen auszusprechen“, sagt Julia Lueg.
Die Diskussionen beim ESC Congress zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen differenziert zu betrachten und Prävention, Diagnostik und Therapie stärker an individuellen Risiken, Lebensphasen und dem Geschlecht auszurichten.

Genau darum geht es bei unserer Initiative „Klartext Frauenherzen“: Wir wollen wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich machen, geschlechterspezifische Unterschiede aufzeigen und dazu beitragen, dass diese Unterschiede in Forschung und medizinischer Versorgung stärker berücksichtigt werden.