„Dranbleiben, auch wenn es länger dauert“
Josephine G. ist 24 Jahre alt, kommt aus Potsdam – und blickt auf einen Lebensweg zurück, der auch durch ihre Herzerkrankung geprägt war. Geboren mit einem hypoplastischen Linksherzsyndrom, einer Fehlbildung des Herzens, wächst sie mit der Gewissheit auf, dass ihr Herz anders funktioniert als das der meisten Menschen. Und dennoch: „Mir wurde damals gesagt, dass auch mit Herzfehler vieles möglich ist. Und ich hatte das Glück, in Schule, Ausbildung und Praktikum Menschen zu begegnen, die mich unterstützt haben.“
Sie macht eine Ausbildung zur Sozialpflegeassistentin und beginnt eine Pflegeausbildung – Berufe, in denen sie anderen helfen möchte. Doch ihr Körper stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen.
Josephine G. entwickelt eine Endomyokardfibrose, eine Vernarbung und Verhärtung des inneren Herzmuskels. Daraus entsteht ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf, eine pulmonale Hypertension. Schließlich sind sowohl Herz als auch Lunge so stark geschädigt, dass eine Transplantation zur einzigen Option wird.
Unsere Patientin Josephine G. und ihre Eltern mit Heike Bettmann, Pflegeleiterin der DHZC-Ambulanzen, Ärztin Christine Andres sowie dem Oberarzt und pneumologischen Leiter des DHZC-Lungentransplantationsprogramm Dr. Paul Schmidt-Hellinger (von links nach rechts).

Im April 2025 sind ihre Werte so schlecht, dass sie nach einer Kontrolluntersuchung dringlich für eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation gelistet wird. Zuvor stand nach mehrmaligem Vorhofflimmern lediglich die reguläre Listung im Raum.
Nun bleibt ihr wenig Zeit: Sie packt zu Hause ihre Sachen und richtet sich auf eine längere Wartezeit in der Klinik ein. Doch schon kurze Zeit später wird sie im DHZC transplantiert. „Bei mir war es wirklich ein Glücksfall, dass zwischen Listung und Transplantation wenig Zeit vergangen ist“, sagt sie.
Der Weg zur Erholung ist lang und nicht immer leicht. Dass sie ihn geht, verdankt sie nicht zuletzt den Menschen um sie herum.
Ihre Eltern und ihr Bruder Niclas sind jeden Tag bei ihr in der Klinik und wechseln sich so ab, dass sie möglichst nicht allein ist. Das erste Aufstehen nach der Transplantation ist eine große Herausforderung. Das Team der Physiotherapie sorgt dafür, dass ihre Eltern dabei sein können. „Das hat mir geholfen, mich viel sicherer zu fühlen“, sagt Josephine G.
Auf der Intensivstation nehmen sich Pflegekräfte Zeit, gehen mit ihr raus oder stellen sie ans Fenster, damit sie frische Luft bekommt. Die Physiotherapie wird stets mit Musik begleitet, weil sie das motiviert. Und bei der ärztlichen Visite hört sie regelmäßig aufbauende Worte: „Sie machen das gut!“ und bei Rückschlägen: „Wir versuchen es bald noch einmal.“
Die Unterstützung hilft ihr, auch sehr schwierige Phasen zu überstehen. Und sie entwickelt eine klare Botschaft an andere Patientinnen und Patienten: „Den Mut nicht verlieren. Immer wieder einen Lichtblick schaffen. Dranbleiben, auch wenn es länger dauert.“
Dass sie ihre Pflegeausbildung abbrechen musste, macht sie immer wieder traurig. Doch Josephine G. schaut auch nach vorne: „Jetzt ist bald das erste kritische Jahr vorbei und ich kann ein bisschen entspannter sein.“
Ihre Bucketlist, die sie vor der Transplantation nicht mehr abarbeiten konnte, möchte sie jetzt nach und nach abhaken.
Im Mai steht ein Ausflug zum Berliner Fernsehturm an, danach vielleicht eine Reise nach Marburg, an die Ostsee oder in die Berge. Und irgendwann, hofft sie, kann sie womöglich sogar wieder im Chor singen.
Wir wünschen Josephine G. alles Gute!