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Reanimation: Eine Frage des Geschlechts

Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer.

Die Gründe liegen nicht in der Erkrankung selbst – sondern in Unsicherheit, Vorurteilen und falschen Annahmen.

Dabei ist die wichtigste Regel einfach: 
Nicht warten. Drücken. 

Eine Gruppe von Personen übt an einer medizinischen Puppe. Eine Person gibt Beatmung, während andere Unterstützung leisten. Die Umgebung sieht nach einem Schulungsraum aus, mit verschiedenen medizinischen Hilfsmitteln und Notizen auf einem Tisch.
Eine Gruppe von Personen übt an einer medizinischen Puppe. Eine Person gibt Beatmung, während andere Unterstützung leisten. Die Umgebung sieht nach einem Schulungsraum aus, mit verschiedenen medizinischen Hilfsmitteln und Notizen auf einem Tisch.

Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer.

Die Gründe liegen nicht in der Erkrankung selbst – sondern in Unsicherheit, Vorurteilen und falschen Annahmen.

Dabei ist die wichtigste Regel einfach: 
Nicht warten. Drücken. 

Weniger Hilfe für Frauen

Kein medizinischer Grund

Frauen werden bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener reanimiert als Männer. Das zeigen aktuelle Daten der European Society for Emergency Medicine und der Medizinischen Universität Innsbruck. 

Die Ursachen liegen nicht in der Erkrankung selbst. Ein Herzstillstand verläuft bei Frauen und Männern nach denselben Prinzipien, ebenso die Reanimation. Studien zeigen vielmehr, dass Umstehende bei Frauen häufiger zögern – etwa aus Unsicherheit beim Anfassen, aus Angst vor Missverständnissen oder aufgrund falscher Annahmen über typische Risikogruppen. Eine der zentralen Referenzstudien zu diesem Thema wurde im Fachjournal Circulation veröffentlicht und belegt die Unterschiede insbesondere im öffentlichen Raum. 

Eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Innsbruck bestätigt: Bei einem simulierten Herz-Kreislaufstillstand führten Ersthelfer:innen Wiederbelebungsmaßnahmen an einer weiblichen Puppe schlechter durch als an einer männlichen. Das „Geschlecht“ der Übungspuppe beeinflusst die Qualität einer simulierten Reanimation deutlich. Deshalb setzt die Medizinische Universität Innsbruck jetzt auf weibliche Übungspuppen.

„Wir sehen in den aktuellen Analysen sehr deutlich, dass Frauen bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit seltener Hilfe durch Umstehende bekommen. Das hat nichts mit der Erkrankung selbst zu tun, sondern mit Unsicherheit, mit Vorannahmen und auch damit, dass Symptome nicht immer sofort erkannt werden. Für die Betroffenen bedeutet das leider oft, dass Hilfe zu spät kommt“, sagt Dr. Nina Kiechl-Kohlendorfer, Notfallmedizinerin an der Universitätsklinik Innsbruck. 

Konsequenzen

Diese Unterschiede wirken sich direkt auf die Überlebenschancen aus. Eine früh begonnene Herzdruckmassage ist einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Jede Minute ohne Hilfe verschlechtert die Prognose deutlich. Auch die Auswertungen der European Society for Emergency Medicine zeigen, dass geringere Reanimationsraten mit schlechteren Outcomes verbunden sind. 

Was im Notfall zählt

Die Empfehlungen für die Laienreanimation sind eindeutig und gelten für alle:

Notruf 112 absetzen 
• sofort mit der Herzdruckmassage beginnen 
• fest und schnell in die Mitte des Brustkorbs drücken

Wichtig ist: Zeitverlust vermeiden. Das Entfernen von Kleidung ist kein notwendiger erster Schritt und darf nicht dazu führen, dass die Reanimation verzögert wird. Die aktuellen Leitlinien des European Resuscitation Council betonen, dass frühzeitiges Handeln entscheidend ist. 

Ein vermeidbarer Unterschied

Dass Frauen seltener reanimiert werden, ist kein medizinisches, sondern ein gesellschaftliches Problem – und damit veränderbar. 

Klartext: 
Drücken zählt. 

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