Neue Studie zu Spironolacton
Eine große europäische Studie unter Leitung von Prof. Dr. Frank Edelmann vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) hat untersucht, ob das Medikament Spironolacton auch bei bestimmten Formen der Herzinsuffizienz wirksam ist. Zum wissenschaftlichen Leitungsteam gehörte auch der DZHK-Wissenschaftler Prof. Dr. Stefan Anker. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt beim Kongress des American College of Cardiology vorgestellt.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Patientinnen und Patienten mit einer Herzinsuffizienz, bei der die Pumpfunktion des Herzens entweder noch erhalten ist oder nur leicht eingeschränkt ist. Fachleute sprechen hier von HFpEF (heart failure with preserved ejection fraction, also Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion) und HFmrEF (heart failure with mildly reduced ejection fraction, also Herzinsuffizienz mit leicht eingeschränkter Ejektionsfraktion). Diese Formen der Herzschwäche sind häufig, insbesondere bei älteren Menschen, und gehen oft mit Symptomen wie Luftnot, eingeschränkter Belastbarkeit oder Wassereinlagerungen einher. Gleichzeitig ist ihre Behandlung komplexer als bei der klassischen Herzinsuffizienz mit deutlich verminderter Pumpkraft.
Spironolacton gehört zu einer Gruppe von Medikamenten, die als Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten bezeichnet werden. Es wirkt unter anderem entwässernd und blockiert das Hormon Aldosteron, das im Körper die Rückhaltung von Salz und Wasser fördert. Bei Patientinnen und Patienten mit stark eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens ist der Nutzen dieses Wirkstoffs seit vielen Jahren gut belegt. Ob das auch für HFpEF und HFmrEF gilt, war bislang jedoch nicht eindeutig geklärt.
Die nun vorgestellte Studie konnte keinen statistisch klaren Vorteil von Spironolacton zeigen. Weder das Risiko für Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Herzinsuffizienz noch die Rate kardiovaskulärer Todesfälle wurden durch die Behandlung signifikant gesenkt. Gleichzeitig zeigte sich eine erhöhte Zahl von Krankenhauseinweisungen insgesamt.
Allerdings ist die Aussagekraft der Ergebnisse eingeschränkt: Die Studie wurde durch die COVID-19-Pandemie erheblich beeinträchtigt und musste vorzeitig beendet werden. Dadurch konnten deutlich weniger Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden als ursprünglich geplant.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines: Die Ergebnisse ändern nicht grundsätzlich die Behandlung, helfen aber bei der Einordnung. Spironolacton bleibt ein etabliertes Medikament in der Herzmedizin, insbesondere bei der Herzinsuffizienz mit deutlich eingeschränkter Pumpfunktion. Für die Formen mit erhaltener oder nur leicht reduzierter Pumpfunktion ist sein Nutzen nach der aktuellen Datenlage jedoch weiterhin nicht eindeutig belegt. Eine pauschale Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
In den vergangenen Jahren haben sich andere Medikamente für diese Patientengruppen als besonders wirksam erwiesen. Dazu gehören vor allem sogenannte SGLT2-Hemmer wie Empagliflozin und Dapagliflozin, die das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz nachweislich senken können. Darüber hinaus spielt die Behandlung von Begleiterkrankungen eine zentrale Rolle, etwa von Bluthochdruck, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen.
Wichtig ist: Wer Spironolacton einnimmt, sollte das Medikament nicht eigenständig absetzen. Welche Therapie im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab und sollte immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden.
Auch wenn die Studie keinen klaren Nutzen zeigen konnte, liefert sie wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Behandlung von Herzinsuffizienz. Sie zeigt, dass sich die verschiedenen Formen der Erkrankung stärker unterscheiden als lange angenommen – und dass Therapien gezielt auf die jeweilige Situation abgestimmt werden müssen.
„Die Studie konnte aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl keine abschließende Antwort geben, liefert aber wichtige Hinweise zur Rolle von Spironolacton bei diesen Formen der Herzinsuffizienz“, sagt Frank Edelmann.

Weitere Studien werden folgen und helfen, diese Fragen noch genauer zu beantworten.
Weitere Informationen zur Studie gibt es auf der DZHK-Website.