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Die Lungentransplantation

Patient:innen, die auf der Warteliste für eine Spenderlunge stehen, werden während der gesamten Wartezeit eng von ihrem Transplantationszentrum betreut. Es finden regelmäßige Untersuchungen zur Kontrolle des Gesundheitszustands statt, bei Bedarf wird die Medikation angepasst. Außerdem werden die Patient:innen zur Post-OP-Medikation und zu Hygienemaßnahmengeschult. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die körperliche Vorbereitung auf die Transplantation durch Kraftübungen und Physiotherapie (die sogenannte Prehabilitation).

Sobald eine passende Spenderlunge verfügbar ist, informiert das Transplantationszentrum die Patientin bzw. den Patienten sofort. Im Krankenhaus wird sie bzw. er unverzüglich auf die Operation vorbereitet. Die Transplantation selbst ist ein komplexer, mehrstündiger Eingriff. Anschließend folgen die postoperative Versorgung im Krankenhaus und schließlich die Nachsorge.

Vor knapp 5 Jahren wurde unserer Patientin Carola M. eine Spenderlunge eingesetzt. Wir haben die neunstündige OP mit der Kamera begleitet und den Operateur, Oberarzt Prof. Christoph Knosalla, gebeten, uns den Ablauf zu erläutern. 

Prehabilitation

Körperliche Fitness

Die körperliche Vorbereitung auf die Transplantation, auch Prehabilitation genannt, ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. Die Fitness der Patientinnen und Patienten vor dem Eingriff hat einen direkten Einfluss auf die postoperative Prognose. Die körperliche Funktionsfähigkeit fließt zudem in die Dringlichkeitseinstufung für ein Spenderorgan mit ein.

In vielen Fällen ist daher auch während des Evaluationsprozesses eine stationäre pneumologische Rehabilitation sinnvoll. Es wird empfohlen, an einer Lungensportgruppe oder im Falle einer pulmonalen Hypertonie an einer Herzinsuffizienzgruppe teilzunehmen und regelmäßige Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Als sinnvolle Ergänzung dazu kann die Online-Lungensportstunde der Deutschen Atemwegsliga dienen.

Zusätzlich werden mehrfach wöchentliche Kraftübungen empfohlen, die physiotherapeutisch erlernt und anschließend in Eigenregie durchgeführt werden. Insbesondere Muskelkraft und -masse tragen nach der Operation zu einer Verbesserung der Prognose bei.

Gewicht und Ernährung

Bei einer zu starken Gewichtsabnahme und einer Entwicklung von Untergewicht (pulmonale Kachexie) ist unter Umständen eine Ernährungstherapie mit Beratung und hochkalorischer Zusatznahrung empfehlenswert.

Im Falle eines Übergewichts ist eine diätetische oder pharmakologische Behandlung empfehlenswert. Idealerweise sollte der Body-Mass-Index (BMI) zwischen 22 und 25 kg/m² liegen.

Ateminsuffizienz

Bei Patient:innen mit einer chronischen ventilatorischen Insuffizienz, bei der die Atmung dauerhaft nicht ausreicht, um den Kohlendioxidgehalt (CO₂) im Blut im Normalbereich zu halten, sollte eine nicht-invasive Maskenbeatmung mit Überdruck geprüft werden. Diese NIV (nicht-invasive Ventilation) entlastet die Atempumpe und ermöglicht eine bessere Tagesaktivität. 

Eine NIV-Evaluation wird in der Regel stationär in pneumologischen Kliniken durchgeführt. Die NIV erfolgt temporär auch nach einer Transplantation, um die transplantierte Lunge offen zu halten und einer Verklebung vorzubeugen. Dafür ist eine vorherige Gewöhnung an eine NIV vorteilhaft.

Psyche

Leiden Patient:innen unter Panikattacken oder entwickeln sie  eine Anpassungsstörung (häufig bei wiederkehrender Luftnot und damit Todesangst), sollten sie psychologisch behandelt werden. Häufig führen die Ängste zu einem Rückzug und damit auch zu einer unzureichenden körperlichen Aktivität.

Aufnahme und Vorbereitung der OP

Damit gelistete Patient:innen jederzeit informiert werden können, sobald eine passende Spenderlunge zur Verfügung steht, sollten sie über eine deutsche Aufenthalts- und Erreichbarkeitsregelung verfügen. Bei Aufenthalten außerhalb Deutschlands müssen Patient:innen zeitweilig NT-gelistet werden (nicht transplantabel).

Sollte ein passendes Organangebot vorliegen, organisieren wir einen Krankentransport für Sie ins DHZC und übernehmen die weitere Betreuung bis zur Aufnahme auf unserer Transplantationsstation WD3. Parallel dazu reist unser Entnahmeteam in die Stadt des Organangebots.

Ist das Team im Entnahmekrankenhaus eingetroffen, übernimmt es die Entnahme des Organs. Jetzt beginnt die sogenannte Ischämiezeit, in der das Organ nicht durchblutet wird. Sie muss so kurz wie möglich gehalten werden, um eine Schädigung des Organs zu vermeiden. Idealerweise beträgt sie bei Spenderlungen weniger als sechs Stunden.

Zeitgleich mit der Organentnahme wird die Empfängerin bzw. der Empfänger im OP-Bereich auf die Transplantation vorbereitet, letzte Voruntersuchungen finden statt. Wenn sich das Entnahmeteam auf den Rückweg macht, beginnt die Operation. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Ischämiezeit so kurz wie möglich gehalten werden kann.

In seltenen Fällen verschlechtert sich der Gesundheitszustand so schnell, dass eine Transplantation nicht mehr unter herkömmlichen Bedingungen möglich ist. Dann ist eine ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) notwendig, eine Form der Lungenersatztherapie, um die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken.

Das Bild zeigt ein medizinisches Gerät zur Blutbehandlung. Rote und transparente Schläuche sind miteinander verbunden, während eine durchsichtige Kammer das Blut enthält. Das Gerät ist Teil einer komplexen Technik, die wahrscheinlich für eine Herzoperation oder Bluttransfusion verwendet wird.
Das Bild zeigt ein medizinisches Gerät zur Blutbehandlung. Rote und transparente Schläuche sind miteinander verbunden, während eine durchsichtige Kammer das Blut enthält. Das Gerät ist Teil einer komplexen Technik, die wahrscheinlich für eine Herzoperation oder Bluttransfusion verwendet wird.

In seltenen Fällen verschlechtert sich der Gesundheitszustand so schnell, dass eine Transplantation nicht mehr unter herkömmlichen Bedingungen möglich ist. Dann ist eine ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) notwendig, eine Form der Lungenersatztherapie, um die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken.

Enge Zusammenarbeit mit der Charité

Die Charité-Klinik für Pneumologie, Beatmungsmedizin und Intensivmedizin vereint auf der Intensivstation 144i ein hochspezialisiertes Team, das sich auf die Behandlung des akuten Lungenversagens und die ECMO-Therapie spezialisiert hat. Die erfahrenen Kolleg:innen sind auf solche intensivmedizinischen Notfälle bestens vorbereitet.

In enger Zusammenarbeit mit dem DHZC werden hier Patient:innen mit terminalem Lungenversagen bei chronischen Lungenerkrankungen wie Lungenfibrose oder Herzversagen bei Pulmonaler Hypertonie behandelt, die unter ECMO-Einsatz auf eine Lungentransplantation warten.

Die Station ist Teil des ARDS ECMO Centrums der Charité. Dieses Zentrum ist auf die Behandlung von Patient:innen mit schwerem akuten Lungenversagen spezialisiert. Auch die Station 8i der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie die Station 43i der Klinik für Nephrologie und internistische Intensivmedizin gehören zum ARDS ECMO Centrum. 

v.l.n.r.: Prof. Christoph Knosalla (chirurgischer Leiter des Transplantationsprogramms am DHZC), Dr. Paul Schmidt-Hellinger (pneumologischer Oberarzt im DHZC-Lungentransplantationsprogramm), Univ.-Prof. Martin Witzenrath (Direktor der Klinik für Pneumologie der Charité) und Prof. Volkmar Falk (Ärztlicher Direktor des DHZC).

Vier Ärzte in weißen Kitteln stehen nebeneinander in einem Gebäude. Sie blicken freundlich in die Kamera. Der Hintergrund ist hell mit historischen Elementen. Die Ärzte repräsentieren eine medizinische Einrichtung oder eine Konferenz.
Vier Ärzte in weißen Kitteln stehen nebeneinander in einem Gebäude. Sie blicken freundlich in die Kamera. Der Hintergrund ist hell mit historischen Elementen. Die Ärzte repräsentieren eine medizinische Einrichtung oder eine Konferenz.

v.l.n.r.: Prof. Christoph Knosalla (chirurgischer Leiter des Transplantationsprogramms am DHZC), Dr. Paul Schmidt-Hellinger (pneumologischer Oberarzt im DHZC-Lungentransplantationsprogramm), Univ.-Prof. Martin Witzenrath (Direktor der Klinik für Pneumologie der Charité) und Prof. Volkmar Falk (Ärztlicher Direktor des DHZC).

Ablauf der Operation

Zunächst wird bei der Patientin bzw. dem Patienten von unserem erfahrenen Anästhesieteam die Narkose eingeleitet.Venen- und Harnkatheter, Kanüle und Drainagen werden gelegt. Blutdruck, Herzfunktion, Sauerstoffsättigung werden kontinuierlich überwacht. 

Sollten Kreislauf oder Sauerstoffversorgung kritische Werte annehmen, benötigt die Patientin bzw. der Patient zusätzlich eine ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung).

Die Transplantation selbst erfolgt unter Vollnarkose und kann bis zu zwölf Stunden dauern. Je nach Erkrankung wird eine einseitige oder beidseitige Doppellungen- bzw. Lungentransplantation durchgeführt. Heutzutage werden hauptsächlich Doppellungentransplantationen vorgenommen. Das erfahrene chirurgische Team arbeitet dabei eng mit den Spezialist:innen der Anästhesiologie und Intensivmedizin zusammen.

Zunächst wird der Brustkorb geöffnet und die erkrankte Lunge chirurgisch entfernt. Anschließend wird die Spenderlunge eingesetzt und mit den Hauptbronchien, den Lungenvenen und der Lungenschlagader (Pulmonalarterie) verbunden. Währenddessen wird der Körper über den zweiten Lungenflügel beatmet. Bei der beidseitigen Lungentransplantation erfolgt zunächst die Operation einer Seite, dann der anderen.

Ist die Spenderlunge eingesetzt, wird die Durchblutung und Belüftung der neuen Lunge gestartet. Die Ärzt:innen kontrollieren das Organ auf Undichtigkeiten, mögliche Blutungen und die Belüftung.

Nach der Operation kommen die Patient:innen zunächst beatmet und in Narkose auf die Intensivstation WD1i. Hier werden die Lungenfunktion, die Kreislaufsituation, die Aufwachreaktion und mögliche Abstoßungsreaktionen engmaschig kontrolliert. Mediziner:innen und Pfleger:innen versuchen gemeinsam, die Transplantierten möglichst schnell von der Beatmung zu entwöhnen und die neue Lunge selbst arbeiten zu lassen. Gleichzeitig werden die Patient:innen mobilisiert. 

Anschließend werden die Patient:innen auf unsere Transplantationsstation WD3 verlegt. Hier verbringen Sie die Zeit bis zur Rehabilitation. Die Medikamente werden regelmäßig auf Basis der Blutspiegel angepasst und die optimale Wundheilung begleitet. Des Weiteren erfolgen regelmäßige Bronchoskopien, um auch die innere Wundheilung an den Nahtstellen der Bronchien optimal zu gestalten. Unter sorgfältiger ärztlicher und pflegerischer Kontrolle werden Sie hier auf Ihre Entlassung aus unserer Klinik vorbereitet. Die Physiotherapie zum Aufbau Ihrer Muskulatur spielt dabei eine wichtige Rolle.

Risiken und Komplikationen

Kurzfristige Komplikationen

Wie jede andere Operation ist auch eine Lungentransplantation mit Risiken verbunden. Dazu gehören etwa Blutungen und Undichtigkeiten an den Nahtstellen.

Die Transplantation selbst gilt inzwischen als etabliertes und sicheres Verfahren: Mehr als 90 Prozent der Empfänger:innen überleben den Krankenhausaufenthalt nach der Operation. 

Kritischer ist die Zeit nach der Lungentransplantation: Statistiken zufolge kommt es bei rund 30 Prozent der Transplantierten im ersten Jahr nach der Transplantation zu Abstoßungsreaktionen. Diese äußert sich in einer Entzündung in und um die kleinen Blutgefäße der Lunge. Fieber, Müdigkeit, trockener Husten, Atemnot und eine eingeschränkte Lungenfunktion können Anzeichen einer Abstoßung sein. Durch eine individuell abgestimmte Medikation lässt sich die Abstoßungsreaktion in den meisten Fällen wieder eindämmen, ohne dass die Lunge Schaden nimmt. 

Da die Immunabwehr der Transplantierten unterdrückt ist, kommt es im ersten Jahr nach der Transplantation auch häufiger zu Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen. Außerdem können Patient:innen Atemwegskomplikationen entwickeln, vor allem Verengungen der Atemwege, die von den Nahtstellen, an denen die Spenderlunge mit dem Bronchialsystem der Empfänger:innen verbunden wird, ausgehen.

Durch die große Operation im Brustkorbbereich können in manchen Fällen auch Nerven zum Magen zeitweise geschädigt sein und ein stark verzögerte Magenentleerung bewirken. Mit schonendem Kostaufbau und - sofern nötig - einer Behandlung des Magenpförtnermuskels wird diese Komplikation behandelt. 

Auch die Nerven des Kehlkopfes können bei der Operation geschädigt werden. Allgemein ist bei Komplikationen, die eine mittelfristige Sicherung der Atemwege erzwingt, unter Umständen ein Luftröhrenschnitt und die Beatmung mittels Trachealkanüle notwendig. 

Durch die Intensität der Operation sowie Medikamentennebenwirkungen werden einige Patient:innen temporär und wenige auch langfristig bei Nierenversagen dialysepflichtig. 

Um diese frühen Komplikationen bei Lungentransplantierten rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln, werden gerade in den ersten Monaten nach der Transplantation regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit Blutabnahmen, Lungenfunktionstests und Bronchoskopien in kurzen Zeitabständen durchgeführt.

Langfristige Komplikationen

Das chronische Transplantatversagen (CLAD, engl. chronic lung allograft dysfunction) ist die wichtigste langfristige Komplikation, die nach einer Lungentransplantation auftreten kann. 50 Prozent der Lungentransplantierten sind innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Eingriff davon betroffen. Zehn Jahre nach der Operation waren es Studienergebnissen zufolge sogar 76 Prozent. 

Bei dieser chronischen Abstoßung verhärtet und vernarbt das Lungengewebe - mit der Folge, dass sich die Lungenfunktion verschlechtert. Die kleinen Atemwege verengen sich und verschließen sich unter Umständen komplett. 

Wie es genau zu einem chronischen Lungenversagen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt, wird aber intensiv erforscht. Als Risikofaktoren für CLAD gelten transplantationsbedingte Verletzungen des Gewebes und Entzündungen, die im Zusammenhang mit akuten Abstoßungsreaktionen nach der Transplantation auftreten.

Ziel der Therapie von CLAD ist es, das Fortschreiten der schlechter werdenden Lungenfunktion einzudämmen. Lässt sich der Krankheitsverlauf nicht aufhalten, ist im schlimmsten Fall eine erneute Transplantation erforderlich. 

Prognose

Die durchschnittliche Überlebenszeit nach einer Lungentransplantation ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und wird auch in Zukunft vor allem durch optimierte Behandlungsmethoden weiter steigen.

Aktuell beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit nach einer Lungentransplantation sechs bis sieben Jahre. Dieser Durchschnittswert hängt jedoch stark von individuellen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die zugrundeliegende Erkrankung und mögliche Nebenerkrankungen, das Alter der Patientin bzw. des Patienten, der allgemeine Gesundheitszustand, mögliche Komplikationen nach der Transplantation wie Abstoßungsreaktionen oder Infektionen sowie der Verlauf der Nachsorge.

Vor allem die Transplantatfunktion (d.h. die “Leistungsfähigkeit” des Spenderorgans und mögliche Komplikationen nach der Transplantation) sowie Nebenerkrankungen und das Lebensalter beeinflussen die Überlebenszeit. 

Ein Beispiel: Transplantierte unter 50 Jahren haben eine deutlich höhere Überlebensrate als Menschen, die älter als 50 Jahre sind. 

Auch die Erfahrung des Transplantationszentrums spielt eine Rolle: Erfahrene, hochspezialisierte Einrichtungen erzielen oft bessere Ergebnisse. Am DHZC liegt die Überlebensrate für Patient:innen drei Jahre nach der Lungentransplantation bei 78 Prozent. Im Bundesdurchschnitt sind es 73 Prozent. 87 Prozent überleben das erste Jahr. Für diese Patient:innen beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung (oder die Zeit bis zu einer Re-Transplantation) acht bis zehn Jahre. Ca. ein Viertel der Patient:innen überlebt 20 Jahre mit einer transplantierten (Doppel)lunge. 

Wichtig zu beachten: Bei allen Zahlen handelt es sich immer um statistisch errechnete Durchschnittswerte. Eine Lungentransplantation bringt gewöhnlich eine enorme Steigerung der Lebensqualität mit sich, oft sind Berufstätigkeit und Sport wieder möglich. 

Ausführliche Informationen zur Prognose gibt es auch beim Lungeninformationsdienst.

Rehabilitation

Die Rehabilitation nach einer Lungentransplantation ist ein zentraler Bestandteil der Erholung und des langfristigen Behandlungserfolgs. Sie beginnt oft schon kurz nach der Operation im Krankenhaus und setzt sich in spezialisierten Rehabilitationszentren oder ambulant fort.

Die Rehabilitation nach einer Lungentransplantation ist ein zentraler Bestandteil der Erholung und des langfristigen Behandlungserfolgs. Sie beginnt oft schon kurz nach der Operation im Krankenhaus und setzt sich in spezialisierten Rehabilitationszentren oder ambulant fort.

Ziel ist es, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, Komplikationen zu vermeiden und den Patienten auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.

Die Rehabilitation ist die Phase der möglichst vollständigen Rückkehr ins private, gesellschaftliche und berufliche Lebensumfeld. Wichtiger Teil der Rehabilitation ist gezieltes Training zur Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Aber auch psychisch und seelisch unterstützen wir unsere Patient:innen in dieser Zeit.

Konkret umfasst die Rehabilitation:

  • Medizinische Überwachung und Behandlung: Regelmäßige Lungenfunktionstests, die Kontrolle der Blutwerte und Organfunktionen sowie die Infektionsprophylaxe
  • Physio- und Bewegungstherapie, bestehend aus Mobilisation nach der Operation, Atemtherapie sowie Kraft- und Ausdauertraining
  • Ernährungsberatung und Hygienemaßnahmen
  • Psychologische Betreuung zum Umgang mit Ängsten, zur Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und zur Wiedereingliederung in den Alltag
  • Schulungen und Aufklärungen, etwa zur Medikamenteneinnahme, zur Selbstkontrolle und zum Lebensstil 

In ausführlichen Gesprächen lernen Sie genau, 

  • welche gesundheitlichen Risikofaktoren es gibt und wie Sie diese vermeiden können,
  • welche Anzeichen einer Organabstoßung es gibt,
  • wie Sie sich vor Infektionen schützen können,
  • welche Möglichkeiten der sozialen Unterstützung es gibt.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus folgt in der Regel ein mehrwöchiger stationärer Aufenthalt in einer Rehaklinik. Anschließend werden Transplantierte ihr Leben lang ambulant betreut. 

Wann und wo findet die Rehabilitation statt? 

Die Rehabilitation in der Rehaklinik kann beginnen, 

  • wenn keine medizinischen Bedenken gegen Ihre Verlegung sprechen
  • wenn Sie sich wieder eigenständig versorgen (z. B. waschen und ankleiden) können
  • wenn Sie nur noch wenig pflegerische Hilfe benötigen und körperlich zum Aufbautraining bereit sind. 

In Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf ist das meist etwa sechs bis acht Wochen nach der Transplantation der Fall. In der Regel werden unsere Patientinnen und Patienten direkt nach dem stationären Aufenthalt am DHZC ins Reha-Zentrum Seehof in Teltow am südlichen Stadtrand von Berlin überwiesen. Das Zentrum hat eine über dreißigjährige Erfahrung mit transplantierten Patientinnen und Patienten aus unserer Klinik. Es liegt in einer grünen, ruhigen Umgebung. Sie bekommen ein Einzelzimmer, können Besuch empfangen oder Ausflüge machen. Die Fahrt zum DHZC dauert nur etwa 30 Minuten, sodass Sie in dringenden Fällen schnell wieder in unserer Klinik sind. 

Wie verläuft der Reha-Aufenthalt? 

  • Körperliche Aktivität wie Fahrrad-Ergometer-Training, Muskelaufbau an Geräten, Gymnastik in der Gruppe oder individuell mit Bewegungstherapeutinnen und Bewegungstherapeuten
  • Passive Anwendungen wie Vorträge, Beratungen, Schulungen einzeln und in der Gruppe
  • Entspannungstraining und falls nötig psychotherapeutische Betreuung 

Täglich − auch am Wochenende − finden ärztliche Visiten statt, um Komplikationen schnell erkennen und in Absprache mit dem DHZC behandeln zu können. Echokardiographien, EKG und Bestimmungen Ihrer Medikamentenspiegel werden weiter regelmäßig durchgeführt. Die Dosierung Ihrer Medikamente wird wenn nötig angepasst. Eingreifende belastende Untersuchungen sind in der Regel nicht nötig. Während des Aufenthalts müssen Sie in der Regel nur einmal in die Transplantationsambulanz des DHZC kommen.

Nachsorge und Betreuung

Auch nach der Transplantation bleiben wir an Ihrer Seite. Die langfristige, lebenslange Nachsorge umfasst:

  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen in unserer Transplantationsambulanz
  • eine lebenslange medikamentöse Behandlung zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen und Infektionen
  • die Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Alltag
  • Schulungen im Umgang mit dem neuen Organ, zu Hygienemaßnahmen etc.
  • eine transplantationsgerechte Ernährungsberatung
  • Die Beratung und Kontaktvermittlung zu Trainingsangeboten und Physiotherapie

Ausführliche Informationen zur Nachsorge und Betreuung am DHZC finden auf der Seite Betreuung von Lungentransplantierten.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Christoph Knosalla | Oberarzt, chirurgischer Leiter des Transplantationsprogramms, DZHK-Professor

Prof. Dr. med. Christoph Knosalla ist der chirurgische Leiter des Programms für Herz- und Lungentransplantationen am DHZC. Er verfügt über langjährige, umfangreiche Erfahrung in der Herz- und Thoraxchirurgie und hat bereits zahlreiche komplexe Transplantationen durchgeführt. Er steht für höchste chirurgische Expertise sowie für die kontinuierliche Weiterentwicklung der operativen Verfahren am DHZC.

Dr. Paul Schmidt-Hellinger | Oberarzt, Pneumologischer Leiter Lungentransplantationsprogramm

Dr. med. Paul Schmidt-Hellinger ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie. Seine klinische und wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Belastungsteuerung in Grenzsituationen. Als pneumologischer Oberarzt im Lungentransplantationsprogramm bringt er umfassende Erfahrung in der Betreuung und Vorbereitung von Patientinnen und Patienten auf eine Transplantation mit.

Prof. Dr. med. Felix Schönrath | Leitender Oberarzt Herzinsuffizienz und Herztransplantation CVK

Der Kardiologe Prof. Dr. med. Felix Schönrath verantwortet als Leitender Oberarzt den Bereich Herzinsuffizienz und Herztransplantation an der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC).