Teamarbeit, die Leben rettet
Dass Lilly Peter an einem angeborenen Herzfehler leidet, erfuhr die 25-Jährige durch einen Zufall: „Als in unserer alten Wohnung plötzlich Gas austrat, wurde ich ohnmächtig“, erinnert sie sich. Im Rahmen der medizinischen Abklärung – unter anderem per EKG – zeigten sich deutliche Auffälligkeiten. Schnell war klar: Nicht das Gasleck, sondern ihr Herz hatte die Ohnmacht verursacht.
Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzt:innen einen Vorhofseptumdefekt – ein Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen. Dadurch fließt Blut vom linken in den rechten Vorhof, was die rechte Herzhälfte und die Lunge stark belastet. Folgen können eine Vergrößerung des rechten Herzens und Herzrhythmusstörungen sein.
„Auch früher bin ich unter Belastung häufiger ohnmächtig geworden. An einen Herzfehler hätte ich dabei nie gedacht“, sagt Lilly Peter.
Der Defekt sollte interventionell mit einem Okkluder verschlossen werden – einem kleinen Schirmchen-Implantat, das per Katheter über das Gefäßsystem ins Herz eingebracht wird. „In drei Tagen sind Sie wieder zu Hause“, sagten ihr die behandelnden Ärzt:innen im Krankenhaus.
Doch es kam anders.
Beim Eingriff gab es plötzlich Komplikationen: Der Okkluder löste sich und geriet über die rechte Herzkammer in die Lungenarterie – eine Notsituation, denn die rechte Herzhälfte wurde dadurch extrem belastet.
Lilly Peter wurde spätabends als Notfall ans DHZC verlegt. Ihre aus Darmstadt angereisten Eltern bangten um ihre Tochter.
Unser interdisziplinäres Heart-Team aus Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesie musste sofort handeln – und entschied sich für ein maßgeschneidertes Hybridverfahren, um die Patientin bestmöglich zu schonen und optimale Ergebnisse zu erzielen. „Unser Ziel war es, eine Operation mit Durchtrennung des gesamten Brustbeins und Eröffnung der Pulmonalarterie unbedingt zu vermeiden“, erklärt Herzchirurg PD Dr. Axel Unbehaun, Oberarzt an der DHZC-Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Über die Halsvene der Patientin führten unsere Expert:innen zunächst einen Katheter in die Lungenarterie ein. Mit einer „Fangschlinge“ wurde der verrutschte Okkluder in eine Position gebracht, die chirurgisch gut erreichbar war. Denn unserem Team war schnell klar: Eine kathetergestützte Bergung kam nicht infrage. Deshalb entfernten die Spezialist:innen den Okkluder minimalinvasiv unter Verwendung eines 3D-Endoskops: Über einen kleinen Schnitt im Brustkorb wurden die OP-Instrumente und eine kleine 3D-Videokamera eingeführt. So ließ sich das Schirmchen präzise und schonend entnehmen. Anschließend wurde das Loch im Herzen chirurgisch mit einem Perikardpflaster verschlossen.
„Wir haben einen innovativen, bisher einzigartigen Ansatz gewählt, um unsere Patientin bestmöglich zu versorgen“, sagt PD Dr. Markus Kofler, Oberarzt und Herzchirurg am DHZC, der den Eingriff zusammen mit PD Dr. Unbehaun federführend durchführte. „Die Kombination aus kathetergestützten und minimalinvasiven chirurgischen Verfahren zeigt, wie entscheidend die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im Heart-Team ist – gerade bei komplexen Notfällen.“
Nach einem Tag auf der Intensivstation hatte sich Lilly Peter soweit erholt, dass sie auf unsere Überwachungsstation und anschließend auf unsere Normalstation im Sana Paulinenkrankenhaus verlegt werden konnte. Unsere Pflegekräfte, Physio- und Atemtherapeut:innen begleiteten sie auf dem Weg zurück in den Alltag.
Heute geht es der 25-Jährigen sehr gut. Sport und körperliche Belastung sind wieder uneingeschränkt möglich. „An die ersten Tage nach der Operation habe ich kaum Erinnerungen. Ich musste erst verarbeiten, dass alles ganz anders verlaufen ist als geplant“, sagt sie rückblickend. „Umso dankbarer bin ich für die hochspezialisierte Behandlung am DHZC, die mich damals gerettet hat.“
Wir freuen uns, dass sich unsere Patientin gut erholt hat und dass sie für ein „Erinnerungsfoto“ mit Axel Unbehaun (links) und Markus Kofler – stellvertretend für das gesamte Heart-Team – noch einmal zu uns in die Klinik gekommen ist!

Lilly Peter blickt optimistisch in die Zukunft: Erst im letzten Herbst ist sie für ihr Masterstudium im Fach Marketingmanagement nach Berlin gekommen. Sie ist gerade mit ihrer besten Freundin zusammengezogen und freut sich jetzt, im Studium und auch in der Hauptstadt richtig anzukommen – voller Kraft und Energie.
Wir wünschen ihr weiterhin alles Gute!
Medizinische Zusatzinformation
Der Patientenfall von Lilly Peter ist auch als Case Report im Journal of the American College of Cardiology (JACC) erschienen: