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Ein Blitz aus dem Nichts

Darina H. übersteht eine lebensbedrohliche Aortendissektion.

Darina H. ist 30 Jahre alt, Sportwissenschaftlerin und Beraterin für betriebliche Gesundheit – und damit eigentlich die Letzte, bei der man eine lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankung vermuten würde. Doch vor knapp einem Jahr trifft es sie ohne Vorwarnung.

Der Morgen beginnt wie gewohnt: Sie absolviert ihr Sportprogramm und führt dann ein Beratungsgespräch im Homeoffice. Aber plötzlich hat sie starke Brust- und Kopfschmerzen, dazu Atemnot. Darina ist allein zu Hause und ruft voller Panik den Notruf. Ihr Partner, gerade in Brandenburg, wählt zeitgleich ebenfalls die 112. „In meiner Erinnerung ist diese Zeit wie ein Traum“, sagt sie rückblickend, „komplett surreal.“

Herzchirurg Prof. Dr. med. Volker Düsterhöft und DHZC-Patientin Darina H.

Zwei Personen stehen vor einem geschwungenen Geländer in einem eleganten Innenraum. Der Mann trägt einen weißen Laborkittel und Brille, die Frau trägt ein schwarzes Oberteil und lächelt. Im Hintergrund ist eine Treppe und ein Kunstwerk an der Wand sichtbar.
Zwei Personen stehen vor einem geschwungenen Geländer in einem eleganten Innenraum. Der Mann trägt einen weißen Laborkittel und Brille, die Frau trägt ein schwarzes Oberteil und lächelt. Im Hintergrund ist eine Treppe und ein Kunstwerk an der Wand sichtbar.

Herzchirurg Prof. Dr. med. Volker Düsterhöft und DHZC-Patientin Darina H.

Der Rettungsdienst vermutet zunächst einen eingeklemmten Nerv, und bis zur Bildgebung vergehen mehrere Stunden. Das CT zeigt dann die wahre Ursache für ihre Beschwerden: eine akute Typ-A-Aortendissektion – eine potenziell tödliche Herz- bzw. Gefäßerkrankung. 

Dabei reißt die innerste Wandschicht der Hauptschlagader ein, in ihrem Fall direkt am Herzen. Blut dringt in den Riss ein und spaltet die Wandschichten immer weiter auf. Ohne sofortige Behandlung droht ein vollständiger Aortenriss, eine lebensbedrohliche Einblutung in den Herzbeutel oder die Unterbrechung der Blutversorgung lebenswichtiger Organe – mit fatalen Folgen. 

Für Darina H. bedeutet das: Es muss sehr schnell gehen. Sie wird daher umgehend per Hubschrauber ins DHZC verlegt, das OP-Team um Prof. Volker Düsterhöft führt unmittelbar eine komplexe Operation am offenen Herzen und ersetzt große Anteile der gerissenen Hauptschlagader.

„Eine akute Aortendissektion ist ein Notfall, der unverzügliches Handeln erfordert“, sagt Prof. Volker Düsterhöft. „Aber da ihre Symptome denen anderer Erkrankungen ähneln, wird eine Diagnose oft nicht unmittelbar gestellt – und Patientinnen und Patienten kann nicht mehr rechtzeitig geholfen werden.“ 

Dieser Umstand ist auch eine Motivation für Darina, über ihre Geschichte zu sprechen. Sie möchte über ihre Erkrankung aufklären und andere sensibilisieren: „Meine Botschaft ist klar: Bei starken Brustschmerzen direkt den Notruf wählen – und die eigenen Symptome ernst nehmen, auch wenn eine erste Einschätzung in eine andere Richtung geht. Ich bin froh, dass ich dadurch noch rechtzeitig in ein spezialisiertes Herzzentrum gekommen bin.“

DHZC-Patientin Darina H. kann heute wieder die Natur genießen.

Eine junge Frau in einem schwarzen Top und Latzhose lächelt am Ufer eines ruhigen Sees. Im Hintergrund sind Bäume und ein klarer Himmel zu sehen. Die Szenerie strahlt eine freundliche und entspannte Atmosphäre aus.
Eine junge Frau in einem schwarzen Top und Latzhose lächelt am Ufer eines ruhigen Sees. Im Hintergrund sind Bäume und ein klarer Himmel zu sehen. Die Szenerie strahlt eine freundliche und entspannte Atmosphäre aus.

DHZC-Patientin Darina H. kann heute wieder die Natur genießen.

Darina H. erwacht rasch aus der Narkose. Zwölf Tage nach der Operation wird sie entlassen, kurz vor ihrem 30. Geburtstag. „Wir konnten die Aorta komplett reparieren und ein 15 Zentimeter langes Stück durch eine Kunststoffprothese ersetzen“, sagt Prof. Düsterhöft. „Aber neben der körperlichen Erholung braucht die psychische Verarbeitung Zeit.“

Das bestätigt unsere Patientin. Körperlich erholt sie sich schnell – doch Angstattacken und Schlaflosigkeit begleiten sie zunächst. Durch eine genetische Testung findet sie heraus, dass sie einen Gendefekt hat, der schwerwiegende Erkrankungen der Aorta auslösen kann.  

Nach und nach findet sie in ihr Leben zurück und kann ihren Beruf wieder aufnehmen, absolviert sogar eine Weiterbildung zur Disability Managerin. Sie treibt wieder Sport, konzentriert sich dabei auf Ausdauer- und gemäßigteres Krafttraining und steht wie vor der Erkrankung vor Gruppen, nun aber lieber als Pilates- denn als High-Intensity-Kursleiterin.

Auch innerlich hat sich etwas verändert. „Ich dachte immer, dass ich eigentlich mein Leben und meine Gesundheit schätze – aber das ist nichts gegen die tiefe Dankbarkeit, die ich heute empfinde“, sagt sie. Früher habe sie ihre Grenzen manchmal missachtet; heute achtet sie konsequent auf Entspannung und nimmt vieles bewusster wahr. Ein Moment hat sich ihr besonders eingeprägt: eine Pflegekraft, die ihr während des Aufenthalts die Hand hielt. „Diese Menschlichkeit und Wärme, die ich immer wieder gespürt habe – das habe ich auch mitgenommen.“

Für dieses Jahr hat sich Darina H. einiges vorgenommen: eine Weiterbildung zum Mental Coach, Wanderurlaub, vielleicht Frankreich oder Griechenland. Und jeden Tag, wenn möglich, ein Spaziergang im Grünen – am liebsten im Naturschutzgebiet um die Wuhle, wo es Biber gibt.

Wir wünschen ihr weiterhin alles Gute!